BW-03 - Knoten - Festmacher

 

verfasst 2013 - geändert am 11.03.2013

 

Wenn ich ein Seil/Ende an einem Gegenstand befestigen will, sodass es sich nicht mehr von selbst lösen kann, benutze ich die „Festmacher-Knoten“. In der Regel sind die Fixpunkte zum Anbinden: Poller, Rohre, Bäume, Äste, Pfähle, Masten, Latten, Geländer, Ringe, Ösen usw. In der Seemannssprache heißen die Festmacher-Knoten: „Steke“. Auch für diese Anwendung gibt es eine Vielzahl von verschiedenen Knoten. Ich selbst benutze aber nur eine winzige Auswahl, die ich als zuverlässig und ausreichend einschätze.  

 

Meinen Kajak vertäue ich eigentlich sehr selten im Wasser, sondern schleife ihn einfach an Land. Meine verwendeten Festmacher-Knoten beziehen sich deshalb mehr auf die Arbeiten auf dem oder im Boot und im Lager. In den Bildern zeige ich die Knoten wegen der Anschaulichkeit nur an meinem Wanderstab.

 

1 - Festmacher aus bereits bekannten Knoten

 

Wie ich im vorangegangenen Beitrag erwähnt habe, kann man die dort gezeigten Schlaufen und Schlingen auch zum Festmachen verwenden.

 

 

Bild 1: Von links nach rechts: Überhandknoten mit langer Schlaufe zur Schlinge gesteckt. - Auge um Stange mit Palstek. - Eineinhalb Rundtörns mit Schlingenknoten und Überhandknoten als Stopper (Paketknoten). Vor der Sitzluke habe ich zum Beispiel eine Leine locker quer über das Boot gespannt und an den Seiten die Tampen durch die Fittings der Rundumleine gezogen und das dadurch entstandene Auge mit einem Palstek verknotet. Die Leine ist so locker, dass ich eine Bucht von rund 2 cm Länge in der Mitte formen kann. Dort befestige ich meine Sicherungsleine für das Paddel. Den Knoten dazu werde ich im nächsten Beitrag bei den Seilverbindungen beschreiben. Mit dieser einfachen Anordnung liegt die Sicherungsleine, einmal mit einer Bucht durch die Aufzieh-Schlaufe der Spritzdecke von oben eingefädelt, auf dem Teller der Spritzdecke, hängt nicht ins Wasser und stört keineswegs beim Paddeln.

 

2 - Der Universalknoten zum Festmachen: der Webeleinenstek

 

Das ist der Festmacher-Knoten schlechthin! So wie der Palstek für die Schlaufen als wichtigster Knoten angesehen wird, kann der Webeleinenstek als maßgeblicher Knoten zum Festmachen bezeichnet werden. Auch er sollte von jedem „Knotenmacher“ in allen Lagen beherrscht werden. Dieser bedeutsame Knoten wird geschlagen oder gesteckt. Ich bevorzug ihn beim Festmachen an allen runden Gegenständen, wie zum Beispiel an Pollern, Rohren, Ringen, Stäben, Pfosten, Enden/Seile usw.

 

 

Bild 2: Links: normaler Webeleinenstek - Rechts: Webeleinenstek mit Schlinge zum leichteren Aufziehen. Wir werden ihn auch bei den „zwei halben Schlägen“ wiederfinden. Einziger Nachteil: Wenn der Durchmesser des Körpers, an dem der Webeleinenstek angeschlagen wird, kleiner dem Duchmessers des Endes oder der Leine ist (z.B.: kleine, dünne Eisenringe), bekneift sich der Knoten sehr stark und er lässt sich nur mehr schwer öffnen. In diesem Fall sollten alternativ die Knoten in Bild 4: eineinhalb Rundtörns mit zwei halben Schlägenoder in Bild 5:Roringstekbenutzt werden. Meine Verwendung ist unter anderem das Befestigen der Zeltschnur an einem Zeltnagel und das dortige Nachspannen. Das Lösen der Zeltleine mit einem Webeleinenstek von einem Zeltnagel ist denkbar einfach: Man zieht den Zeltnagel aus dem Boden, dann die Leine vom Zeltnagel - fertig - der Knoten löst sich von selbst. Kleiner Hinweis: Das ist auch ein Grund dafür, dass ich beim Tarp- oder Zeltabspannen grundsätzlich nur runde Zeltnägel verwende und nicht exotisch geformte und dementsprechend teure Ausführungen der Outdoor-Industrie. Sollte der Nagel im Kies oder Sand nicht ausreichend halten, beschwere ich die Zeltleine kurz vor dem Zeltnagel mit ein paar glattgeschliffenen Steinen, zumindest direkt an der Zeltschnur, damit sie nicht aufscheuert. Eventuell muss ich noch die Aufstellstangen kürzen, um die Windangriffsfläche am Tarp zu verkleinern. Damit habe ich schon schwere Stürme an den Küsten des Mittelmeers überstanden. Diese Abspannmethode ist auch auf meinen Lagerphotos gut zu erkennen.

 

 

Bild 3: Wenn ich einen Webeleinenstek, um einen Poller, Stab, also um einen Gegenstand mit offenem Ende, schlagen will, gehe ich wie im Bild von rechts oben nach links unten vor: Ich lege ein Auge und unter das kreuzenden Ende ein zweites Auge, so wie es in der Mitte zu sehen ist. Dabei ist darauf zu achten, dass die Augen zueinander richtig zugeordnet sind und die kreuzende Schnur über beide Augen liegt. Anschließend klappe ich die beiden Augen nach unten zusammen, schiebe sie über den Poller, Stab usw. und ziehe den Knoten fest. Das Schlagen dieses Knotes, einschließlich des Festziehens, schaffe ich innerhalb von 3 Sekunden. Diese Methode hat den Vorteil, dass das Ende beliebig lang sein kann. Bei nicht offenen Gebilden, wie zum Beispiel: Geländer, Ringe usw. oder langen Masten, Latten, dünnen Bäumen muss ich den Webeleinenstek stecken. Das funktioniert dann allerdings nicht mehr ganz so schnell, insbesondere, wenn ich einen langen Tampen habe und ich ihn zum Spannen oder zur weiteren Verwendung durchziehen muss. Wenn ich den langen Tampen nicht mehr weiterbenutze, kann ich alternativ im zweiten Schlag eine Schlinge einbinden. In diesem Fall würde sich das Durchziehen erübrigen (siehe dazu Bild 2, rechts). Der lange Tampen würde dann schlaff mit zwei losen Rundtörns zusätzlich um das Befestigungselement hängen - nicht elegant, aber praktisch. Nach dem Lösen der Schlinge im zweiten Schlag, fällt das Ende meist von selbst vom Fixierungspunkt oder lässt sich mit dem Tampen bequem abziehen. 

 

3 - Alternative Knoten zum Festmachen

 

Bei allen Dingen die nicht rund gestaltet sind, wie zum Beispiel dicke Bäume, knorrige Äste, Latten oder aber runde Stäbe, Enden, Leinen mit kleinem Durchmesser (kleiner als der Durchmesser der Befestigungsschnur) ist der Webeleinenstek weniger geeignet. Dazu können die nachstehenden Knoten eingesetzt werden.

 

 

Bild 4: Von links nach rechts: Eineinhalb Rundtörns mit zwei halben Schlägen. Bei den zwei halben Schlägen kann man wieder den Webeleinenstek erkennen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die halben Schläge zu einem Webeleinenstek vereinigt werden, damit sie entsprechend halten und sich wieder leicht lösen lassen. Mit ein wenig Übung ist es auch möglich, die beiden halben Schläge bei einem kurzen Tampen auf dem stehenden Part innerhalb von 3 Sekunden zu dem gewünschten Knoten zu stecken. - Eineinhalb Rundtörns (von der anderen Seite begonnen) mit zwei halben Schlägen. Der letzte Schlag ist als Schlinge ausgebildet. - Eineinhalb Rundtörns mit einfachem Schlingenknoten, der auch „Slipstek“ genannt wird. Der Slipstek hält aber nur gut, wenn der Gegenstand, an dem der ganze Festmacher-Knoten geschlagen wird, einen kleinen Durchmesser hat. Ich verwende diesen Knoten, um meine Zeltschnur an der Rundumleine des Kajaks anzubinden, wenn ich das Boot in der Regel auf der Luvseite meines Lagers als Wind- und Regenschutz platziert habe. In dieser Konfiguration hält der einfache Slipstek sehr sicher. Kleiner Hinweis: Bei einem langen Tampen kann man den zweiten halben Schlag mit der weiter durchgezogenen Bucht realisieren. Der Knoten mit eineinhalb Rundtörns und zwei halben Schlägen mit seinen Varianten gehört für mich ebenfalls zu den Standardknoten, Zum Beispiel befestige ich die Hängematte mit diesem Knoten an einem Baum. Bei einem sehr dicken Stamm nicht mit eineinhalb Rundtörns, sondern nur mit einem Rundtörn (Auge). Gekaufte „Spezialbefestigung“ brauche ich zum Hängematten-Aufhängen nicht.

 

 

Bild 5: Ein weiterer gut haltender Festmacher-Knoten heißt „Roringstek“ und wird bevorzugt bei Ringen mit kleinem Materialdurchmesser angewandt. Rechts ist der einfache Roringstek zu sehen - Links der Rohringstek mit Schlinge. Er besteht aus zwei Rundtörns. Der kuze Tampen wird um den stehenden Part geschlungen und durch die beiden Rundtörns gesteckt. Will man die Sicherheit erhöhen, schiebt man den Tampen ein zweites Mal von der selben Seite wie zuvor unter die Rundtörns hindurch, was aber aus meiner Sicht und für meine Zwecke eigentlich nicht erforderlich ist.

 

 

Bild 6: Zum Hochhieven auch von längerem Material (z.B.: Balken, Säcke, eventuell Kajaks usw.) wird der „Zimmermannsstek“ benutzt. Der Tampen wird um die Sache gelegt, um den stehenden Part geführt und einige Windungen um das Ende zurückgeschlungen - fertig. Bei langen Objekten (Balken, Masten, Rahen ... Kajaks) macht man noch einen „Kopfschlag“ zum Fixieren. Auf diese Weise hat man früher in der Holledau die Hopfensäcke (über 2 m hoch, einem Durchmesser von rund 80 cm und einem Gewicht von bis zu 1 1/2 Zentnern vom Trockenboden auf die Pferdewagen heruntergelassen, um sie zur Siegelhalle zum amtlichen Registrieren zu fahren. Man kann zum Beispiel auch mit seinem Kajak an hohen Hafenmauern, bei denen das Wasser nur über die in die Mauer eingelassenen eisernen Leitern zu erreichen ist, auf diese Art und Weise ein- und ausbooten. Allerdings sollt das Boot dabei leer sein. (Smiley: „Zwinkern“) Ich habe selbst auch schon einmal meinen entladenen Wildwasser-Kajak aus einer „Kurbelschleuse“ an der oberen Donau, bei der das untere Schleusentor geklemmt hat, mit dieser erwas ungewöhnlichen Methode aus dem abgelassenen Wasser in der Scheusenkammer hochholen müssen.

 

 

Bild 7: Nochmals einige Abarten der Knoten zum Festmachen: Von links nach rechts: Der einfache Rundtörn mit Slipstek ist ein Behelfsknoten, der nicht besonders gut hält. Im Prinzip sollte er nur an einem dünnen Stab oder an ein dünnes Seil usw. geknüpft werden (siehe oben: Zeltschnur an die Rundumleine des Kajaks). - Besser wären da zwei Rundtörns mit durchgesteckter Schlinge, wie in der Mitte gezeigt, was ja einem Roringstek mit Schlinge entspricht (siehe Bild 5). - Steckt man den Tampen bei einem einfachen Roringstek wieder zurück, wie im rechten Bild zu sehen, bekneift sich der Knoten sehr gut. Der seemännische Name für diesen Knoten heißt Leesegel-Fallstek“.

 

Die speziellen Festmacher-Knoten für Boote und Segel, also das Belegen von Enden und Fallen an Klampe oder Koffeynagel, habe ich nicht erwähnt, weil ich sie nur äußerst selten benötige. Alternativ schlage ich in diesen Fällen einen Webeleinenstek. Interessierte Leser können da selbst in einer der zahlreichen Veröffentlichungen von Knoten nachsehen (Bücher, Knotentafeln, Internet).

 

Im Bedarfsfall reichen aber die vorgestellten Knoten aus und können auch für weitere Zwecke genutzt werden. Der Phantasie, aus diesen Grundelementen selber weitere Knoten zu entwerfen, sind da keine Grenzen gesetzt. Allerdings darf man bei sicherheitsrelevanten Anwendungen mit eigenen entwickelten Knoten nicht experimentieren!

 

Im nächsten Beitrag beschäftige ich mich mit den Seilverbindungen und wie ich sie bei meinen Seekajaktouren einsetze.

Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten bemängelte, natürlich nicht ganz ernst gemeint, dass ich einen sehr wichtigen Knoten vergessen habe: den Henkersknoten“.

 

Ihm ließ ich nachstehende Antwort zukommen:

 

Wenn Du die „christliche Seefahrt“ meinst, dann hast Du vollkommen recht! In der damaligen „guten alten“ Zeit war diese Art von „Lauf-Knoten“ ein Hauptbestandteil zur Aufrechterhaltung der Disziplin an Bord eines Rah-Seglers, neben der „neunschwänzigen Katze“, die allerdings nur bei allerkleinsten Verstößen und deshalb permanent eingesetzt wurde. (Smiley: „Schlafaugen“)

 

In meinem Bereich des Seekajakings verwende ich diese Art des Knotens ausschließlich für einen „Endlosen Bund“ beim Herstellen eines Talkings und zum Aufschießen einer Leine.

 

 

Bild 1: Oben: Der Henkersknoten stammt aus einer unsäglichen Zeit, die real wohl keiner mehr von uns erleben möchte, höchstens noch in Abenteuer- und Historien-Filmen. - Unten: Aufschießen einer Leine für längerfristige Lagerungen, eine Arbeit, bei der ich diese Version von Knoten noch verwende.

 

 

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