CF-05 - Camper-Tour: Balkan zu früheren Seekajakzielen - Juli 2011

 

verfasst 2011 - geändert am 06.08.2011

 

Bei meiner heurigen Rundreise mit dem Camper durch den Balkan erwachten so manche Erinnerungen an Seekajak-Touren vergangener Jahre. Insbesondere die Dalmatinische Küste, das Ionische Meer und die Ägäis haben es mir in den letzten neun Jahren angetan. Dieses Mal konnte ich nur von meinem „Motorhome“ aus die Inseln bewundern und die größeren Buchten an der Küste besuchen, die ich bei den Seekajaktouren angelaufen und dort an oft einsamen Kies-Stränden übernachtet hatte.

 

 

Bild 1: Von der Passhöhe des Dinarischen Gebirges aus schweift der Blick hinüber zur Insel Pag. Im Velebit- Kanal am Fuße des Gebirges ritt ich so manche Bora ab. Dabei ist eine Bora relativ leicht zu erkennen: Stehen die Wolken hoch über dem Gebirgskamm kann man mit einem angenehmen Tag auf dem Wasser ohne viel Wind rechnen. Wälzen sich hingegen die Wolkenmassen unmittelbar über das Gebirge und gleiten sie an den westlichen Abhängen in Richtung Meer herunter, sollte man so schnell wie möglich versuchen, in eine Bucht oder in einen Hafen an der Küste oder außerhalb des Velebit-Kanals an die Leeseite (Westküste) einer Insel zu paddeln. Wenn die Wolkenfetzen nämlich das Wasser erreicht haben, bricht der Borasturm los, der schon machen Booten zum Verhängnis geworden ist. Dabei fährt man mit Paddelbooten im Velebit-Kanal noch relativ sicher, weil die Wellen noch klein (kein Fetch, um große Wellen aufzubauen) und die Wind-Angriffsfläche der Kajaks einschließlich der Paddler relativ gering sind. Für größere Boote, Segler und „Schlaucherl“ kann es aber schon gefährlich werden, wenn sie in Richtung der Inseln abgetrieben werden und die Motorleistung nicht ausreicht, um gegen den Wind anzuhalten.

 

 

Bild 2: Die Wohntürme von Vathia auf der Halbinsel  Mani, dem Mittelfinger des Peloponnes mit Blick nach Westen auf die Bucht von Kyparissos.Die Wohntürme sind das Wahrzeichen der Mani und werden heute wieder liebevoll restauriert oder auch neu erbaut, allerdings mit dem Komfort des 21. Jahrhunderts, einschließlich Solar-module auf dem Dach. Diese Türme stammen aus einer Zeit, als sich die einzelnen Familien noch kriegerisch gegenüberstanden. Aus befestigten Häusern entwickelten sich allmählich diese burgähnlichen Wohntürme, weil man sich in der schlimmsten Zeit der Familienzwiste in einem normalen Gebäude nicht mehr sicher fühlte. Shakespeare hätte sein Drama „Romeo und Julia“ auch in die Mani verlegen können, hätte er von der Existenz dieser kriegerischen Clan-Fehden gewusst. Aber durch den Einfluss des Christentums seit Konstantin dem Großen (313 n.Chr.), das jegliche antike Wissenschaft und Kulturen in ihrem Missionsfeld im Mittelalter abgetötet und durch Vernichtung der schriftlichen Aufzeichnungen völlig ausgelöscht hat, um Gottes Einfluss und die Macht und Habgier der Kirchenfürsten zu festigen, ist nicht nur die Mani, sondern nahezu der gesamte Balkan in einen Dornröschenschlaf versunken, aus dem sie erst jetzt wieder langsam aufsteht, wachgeküsst durch den Prinzen namens Tourismus. Paddeltechnisch ist die Befahrung dieses überaus reizvollen Küstenabschnitts nicht sehr problematisch, wenn gerade kein Westwind bläst - aber der weht eigentlich ständig. Da ist es gut, wenn man die einzelnen Buchten kennt und weiß, wo ein Ausbooten an einem Strand einigermaßen gefahrlos abläuft.

 

 

Bild 3: So einen Strand findet man zum Beispiel in der Bucht von Marmari kurz vor dem Kap Tenaron. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2006. Meinen Kajak erkennt man links im Bild, unten am Strand. Leider ging ich bei einer solchen eigentlich noch harmlosen Brandung baden. Weil ich zu elegant den Strand anlaufen wollte, bremste ich den Kajak nicht rechtzeitig ab, geriet dann ins Surfen, schlug quer, weil das Steuerruder auf dem Wellenkamm aus dem Wasser ragte und ich nicht aufgepasst hatte, das Paddel rechtzeitig einzusetzen. Die Geschichte habe ich auch im Beitrag KP-02 - "Mein Problem mit den feinen Sand" beschrieben.

 

 

Bild 4: Die Bucht von Marmaris heute. Zwei Tage zuvor, am Sonntag, hatten Einheimische beim Grillen den ganzen Berg abgefackelt. Der starke Brandgeruch war bei meiner Ankunft in der Luft gehangen, auch noch am nächsten Tag, so dass ich frühzeitig wieder abreiste. Bis die Elektriker die Stromversorgung instandgesetzt hatten, lief in der Pension stundenweise ein Dieselaggregat. Es war sehr schade, dass ich diese Idylle so vorgefunden hatte, knüpften sich doch sehr schöne Erinnerungen daran. Bis sich der Hügel wieder einigermaßen regeneriert hat, werden einige Jahre vergehen, der Wirt meinte mehr als fünf, die abgebrannten Olivenbäume einmal nicht mitgerechnet. Übrigens, die Geschichte mit den Wohnmobilen im Beitrag KP-02 - "Mein Problem mit den feinen Sand" (Bei meinem Motorhome, dem „Schlaglochspion“, trifft das allerdings nicht zu. Ich kam locker durch die sich verengende Häuserzeile!) ereignete sich auf dem Weg in die dritte Bucht am rechten Bildrand, in der ich zuerst mein „Sandlager“ aufgeschlagen und damit meine schlechten Erfahrungen mit diesem feinen Mineral gemacht hatte.

 

 

Bild 5: Bei meinen Freunden in Griechenland in ihrem Ferienhaus über den Klippen des nördlichen Golfs von Euböa. Wir kamen gerade von einer Fischfarm, bei der mein Bekannter, als Taucher im Nebenberuf, die Netze der Zucht-Bassins repariert hatte. Zum ersten Mal konnte ich mit meinem grünen Camper die letztes Jahr ausgebaute Schotterstraße befahren. Die Jahre zuvor ging das alles nur mittels Geländewagen über Stock und Stein und auf Feldwegen mit ausgeprägten Schlaglöchern.

 

 

Bild 6: Morgens - 05.00 Uhr, Ortszeit: Ein neuer Tag erwacht. Mögen die Photos von Sonnen-Auf- und -Untergängen für manche Betrachter oft kitschig wirken, wenn ich sie selbst erlebe, sind sie für mich immer noch etwas Besonderes: hier der Sonnenaufgang über den Bergen von Euböa. In dieser Ruhe und Stille fällt man leicht in Meditation und hängt seinen Gedanken nach. Euböa ist an dieser Stelle im Sund rund 10 km entfernt. Da wären Kurztouren mit dem Kajak, einmal hinüber und zurück ein Kinderspiel. Doch sei der Kanute gewarnt! In diesem Bereich kann unvermutet ein Sturm losbrechen und wenn der richtig aus Nordwest bläst, entstehen Wellen mit locker 6 bis 7 Beaufort. Der Golf liegt genau in Nordwest-Richtung und der Wind kann die Wellen über eine weite Strecke aufbauen. Zum Glück hatte ich auf meiner Überfahrt 2006 von Euböa zum Festland einen Sturm aus östlichen Richtungen, so dass die Wellen relativ klein waren, obwohl sie bereits brachen (Fetch maximal 10 km) und ich nur auf den Wind achten musste, der immer wieder mit extrem starken Böen aufwartete. Wie bei einer Bora in Dalmatien oder einem Föhnsturm am Nordrand der Alpen gewann der Wind den Berg herunter zusätzlich an Fahrt. Manchmal wirbelten auch Wasserhosen die Gischt in ihrem Schlauch nach oben.

 

 

Bild 7: Blick aus dem „Schlafzimmerfenster“ von meinem Camper, direkt durch die Windschutzscheibe. Das war im Drautal in Österreich, kurz nach der Grenze zu Slowenien.

 

 

Bild 8: Mein Bett in meinem „Motorhome“. Ein bisschen eng ist es schon, aber ich habe mich schnell daran angepasst. Es ist ein Gefühl, wie in einem „Einmannzelt auf vier Rädern“. Ebenfalls gewöhnt habe ich mich auch an die dünne, spartanisch harte „Matratze“, dieur aus einer dünnen Schaum-Matte besteht, auf der ein dreimal gefalteter Teppich liegt.

 

 

Bild 9: Nach dem Frühstück folgt die Morgentoilette: Zähneputzen, Schlaf aus dem Gesicht waschen und den ganzen Körper mit einem feuchtenTuch abreiben, wenn in der Nähe kein Strand oder Bach mit sauberem Wasser zur Verfügung stehen.

 

Heuer bin ich sehr viele Gebirgsstrecken und nicht asphaltierte Straßen gefahren. Das machte sich auch im Spritverbrauch bemerkbar. Ich kam nur ganz knapp unter 5 l/100 km (genau 4,9947 l/100 km). Auf zwei Stellen hinter dem Komma rundete sich der Verbrauch auf genau 5,00l/100 km auf, bei einer Gesamtstrecke von knappen 11.400 Kilometern. Ein für mich sehr schöner Nebeneffekt, wenn ich den Benzinverbrauch von meinem „Motorhome“ mit den Werten der anderen Wohnmobile vergleiche. 

 

 

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