KT-01 - Grundlegendes zu Seekajak-Reisen

 

verfasst 2010 - geändert am 01.12.2011

 

Grundsatz bei der Planung meiner Seekajak-Reisen: Vermeide Sandstrände! Sie werden erst dann interessant, wenn der verwehte Staub feucht wird, sei es bei Regen oder Morgentau, dann beginnt er so richtig schön zu verkleben. Mein idealer Lagergrund ist Kiesel mit einer Siebweite von 5 bis 8 mm. Allerdings findet man ihn sehr selten. Aber Spaß bei Seite, jeden Untergrund, der nicht staubt und bei dem der Regen schnell versickert, erachte ich besser als Sand, mag er für einen sonnenhungrigen Touristen noch so begehrenswert sein.

 

Meine Planung für die Tour in diesem Jahr (2010) hatte ich auch mit Google-Earth gestaltet. Allerdings waren die Aufnahmen nicht auf dem neuesten Stand (manche stammen noch aus dem Jahr 2000) und so erlebte ich so manche herbe Enttäuschung. An der Stelle, an der Google-Earth eine wunderschöne Bucht zeigte, fand ich einen jener modernen Betonbunker vor, die man dem Zeitgeist entsprechend für die urlaubsreifen Mitteleuropäer hochgezogen hatte. Aber in den meisten Fällen waren die Satellitenbilder von Google-Earth sehr hilfreich, wenn die Auflösung einigermaßen in Ordnung war. In dem geplanten Übernachtungsbereich suche ich mir mehrere Lagerplätze als Optionen aus und markiere sie in der Karte. Mein GPS ist noch ein altes „e-trex“ von Garmin, wegen den AA-Batterien. Ich benutze es ausschließlich um meine Lagerposition, oder andere für mich interessante Wegepunkte zu bestimmen, die ich dann in Tagebuch und Karte eintrage.

 

Ich lerne in der Regel meine Tagesetappe (30 bis 50 km) und die für den nächsten Tag auswendig, so dass ich keine Karte oder ein technisches Hilfsmittel zum Navigieren benötige. Auswendig lernen heißt eigentlich nur, ich präge mir die Strecke, die Ortschaften, Häfen usw. und den Küstenverlauf ein. Beim Küstenpaddeln ist es nicht ganz so problematisch als beim Inselspringen. Zur Not muss man halt so lange im Boot ausharren, bis man eine Gelegenheit zum Ausbooten gefunden hat (daher auch der nächste Tag). Meine längste Etappe waren heuer 191 km in 32 h, eine erzwungene Tag-Nacht-Tag-Fahrt an der Küste von Albanien bei Vollmond und Brandungsbrechern an einer „sandigen“ Flachküste, bei der ich keine Lust hatte auszubooten, um dort zu übernachten. Allerdings legte ich dann anschließend einen Ruhetag ein, den ich dringend nötig hatte!

 

Bei mir ist es mit dem Wetter so eine Sache. Da ich nicht termingebunden bin, luge ich bei Sonnenaufgang einfach unter dem Tarp hervor und wenn es nicht regnet, Wind und Wellen brav sind, packe ich zusammen und fahre los. Entspricht es nicht meinen Vorstellungen, kuschel ich mich noch einmal in den Schlafsack und legen einen Rasttag ein und erledige dann Reparatur- und Schreibarbeiten. Wenn das Wetter unterwegs schlecht wird, Wind und Wellen 6 Beaufort (Beginn der Brecher auf See) überschritten haben, suche ich die nächstbeste Gelegenheit und boote aus. So geschehen heuer in der Nähe von Pula in Istrien. Als ich aus der windstillen Bucht, in der ich übernachtet hatte, herauspaddelte, geriet ich in eine extrem hohe Dünung (von einem Sturm am Tag zu vor auf offener See) mit Wellen, die sich bereits brachen. Sofort steuerte ich die nächste Bucht an und wartete rund 4 Stunden bei einer kleinen Werft, bis sich die Dünung einigermaßen beruhigt hatte. In der Zwischenzeit ergänzte ich meine Wasservorräte und informierte mich über die Arbeiten in diesem Betrieb. Die Skipper, die ihre Jachten an diesem Tag reinigen ließen, behaupteten, dass sie draußen mit 2,5 m bis 3 m hohen Wellen zu kämpfen hatten.

 

Die Deutsche Welle und Radio Österreich International senden täglich auf Kurzwelle einen aktuellen Seewetterbericht für das Mittelmeer, der mit einem normalen Radio empfangen werden kann. Über die Sendezeiten und Frequenzen musst man sich aber in den Internetportalen der Sender informieren. Ich kann dazu keine Informationen beisteuern, weil ich auf einen Rundfunkempfänger generell verzichte - ist für mich verzichtbare „Lustelektronik“.

 

 

 

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