KL-07 - Dalmatinische Inseln 2013 - Lagerplatzbilder, Teil 1

 

verfasst 2013 - geändert am 17.07.2013

 

Im Reisebericht meiner Paddelpartnerin Suomalee „Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm“ in den Outdoorseiten, den Ihr "hier" direkt anklicken könnt, stellt sie unsere heurige Dalmatien-Rundfahrt 2013 mit dem Seekajak aus ihrer eigenen bezaubernden, ja märchenhaften Sicht vor.

 

Meine Ausführungen beschränken sich hingegen mehr auf das Praktische, sodass wir uns gegenseitig ergänzen. Der erste Teil zeigt eine Streckenübersicht und Lagerplatzbilder vom Start bis zur Ankunft auf der Insel Vis.

 

 

Bild 1: Die Übersicht unserer diesjährigen Paddeltour auf einem Ausdruck von Google Earth: Die gesamte Länge der Strecke hatte rund 345 km betragen. Das waren durchschnittlich 21,5 km/Paddeltag, nicht allzu viel, wir wollten uns ja nebenbei auch erholen, keine Rekorde aufstellen. Normalerweise liegt die tatsächlich gepaddelte Distanz höher, weil Abdrift, Windversatz, kleine Abstecher, Ausfahren von kleinen Buchten usw. in der Aufstellung nicht berücksichtigt wurden. Die Toleranz dürfte geschätzt bei ungefähr + 10 % liegen.Danach würde unser tatsächlich zurückgelegte Weg rund 380 km betragen haben.

 

 

Bild 2: Einbooten in der kleinen Ortschaft Srima nahe dem aufstrebenden Badeort Vodice: Wir konnten es kaum erwarten, auf dem Wasser zu sein und stopften die Ausrüstung schnell in unsere Kajaks. In den nächsten Tagen wird sich die gewohnte Ordnung des Verstauens von selbst einspielen. An diesem Nachmittag wollten wir bereits die Zivilisation gänzlich hinter uns lassen und paddelten einfach los. Im Hintergrund die Insel Prvic unser erstes Ziel an diesem Tag. Durch den Sund zwischen den Eilanden Prvic und Zlarin erreichten wir die Inselwelt Dalmatiens. Wir waren ab jetzt auf uns selbst gestellt. Das Festland lag hinter uns.

 

Für Lee waren die ersten Paddelschläge in der Adria überhaupt kein Problem. Sie hatte heuer schon genügend „Wannseerunden“ gedreht. Sie musste sich nur an den Salzgeschmack des Mittelmeers gewöhnen und an den etwas anderen Wellengang, an die Dünung und die aufgesetzten Wellen durch die örtlichen Winde. Für mich war es das „Anpaddeln“ in diesem Jahr. Nur auf einer kurzen Tagesfahrt auf dem Regen im Bayerischen Wald im Kanadier konnte ich zurückblicken.

 

 

Bild 3: Es hatte eine Weile gedauert, bis ich in dem Inselwirrwarr des Sibeniker Archipels „meine“ Insel wiederfand, auf der ich 2002, also vor 11 Jahren, mein Lager aufgeschlagen hatte. Alles war noch genauso wie damals, nur Schmierfinken hatten die niedere Felswand zum Schlafplatz, ein Stückchen oberhalb der Ausbootstelle verunstaltet. Im Bild war gerade Niedrigwasser in der Adria. Die Flut stieg dann bis zu den Bootsenden an. Die vorgelagerten Inseln hielten den Wind und die Wellen des Maestral souverän ab. Ein ideales Plätzchen für uns zivilisationsmüden Paddler. Menschen kamen nur sehr selten auf diese Seite der kleinen Insel Mali Krbela. Einige größere Boote ankerten vor der Ostküste. Aber die Besatzungen verließen nur sehr selten ihre bequemen Jachten, zogen sie doch mehr nur die Idylle einer Insel oder einer Bucht vor und blieben so unter sich. Uns konnte das nur recht sein, wenn sich die Crews nicht an Land bewegt hatten. Denn dann hatten diese Menschen nicht das zusammengetrampelt, was Lee zu finden hoffte: angeschwemmtes Wurzelholz, Muscheln ... Seeigel, von uns, bayrisch abgekürzt, SEIGL genannt. Eigentlich hatten wir nicht vorgehabt, zu Beginn unserer Fahrt schon einen Ruhetag einzulegen. Aber Lee war von der kleinen Insel so angetan, dass sie diese Möglichkeit in Erwägung zog. Ich musste zugestehen, auch mir war es recht, konnte ich auf meinen Streifzügen über die Insel und hinauf auf den kleinen Hügel in Erinnerungen schwelgen. Außerdem hatten wir dann unermesslich viel Zeit, unseren Stauplan in den Kajaks zu organisieren und uns auf das bevorstehende romantische Seenomadenleben gänzlich einzustimmen.

 

 

Bild 4: Unser „Katamaranzelt“ auf der Nordwestseite der Insel Solta, östlich der Ansiedlung Donja Krusica: Ich hatte den seewärts gerichteten Giebel tiefer gesetzt, damit der Wind, es war eine Bora, in der Nacht nicht so sehr an der Plane zerren konnte. Über dem Festland zuckten bizarre, langgezogene Blitze und der Donner grollte, Regen fiel dort in dichten Schleiern. Aber über dem Meer und den Inseln lösten sich die Quell- und Gewitterwolken wieder auf, was wir in den nächsten Tagen zu schätzen wussten und uns eine regenfreie Reise zwischen den Inseln bescherte. Nur der Wind schwoll an und ließ das Tarp flattern. Ich entschloss mich, in der Nacht die Plane abzubauen, weil ich mir nicht sicher war, ob die einfachen Ösen der Baumarktfolie der hohen Belastung der Bora standhielten ...

 

 

Bild 5: ... uns so genossen wir am nächsten Morgen unter freiem Himmel einen herrlichen Sonnenaufgang über dem Festland und der Insel Ciovo, hinter der die Stadt Trogir erwachte und weiter östlich Split zu sehen war. Die Bora war am Morgen etwas abgeklungen, aber immer noch allgegenwärtig. Der Tau war wieder ausgeblieben. Nach einem heißen Cowboykaffee in der kühlen Morgendämmerung verpackten wir völlig trocken unser Übernachtungsequipment in unsere Transportsäcke und machten uns auf den Weg, um an die Südseite der Insel Solta mit Blick auf die Inseln Hvar und Vis zu gelangen.

 

 

Bild 6: Die vor Wind und insbesondere vor Wellen geschützte tiefe Bucht Vela Travna an der Südostküste der Insel Solta, in die wir zum Übernachten eingefahren waren: An einem winzigen Strand hatten wir angelegt und unser Lager auf dem kleinen Anleger und dem Zugang dazu aufgebaut. Das Haus weiter oben war nicht bewohnt und wir freuten uns, erneut die Stille der Natur genießen zu können, weitab der hektischen Zivilisation.

 

 

Bild 7: Unser Zisternen-Lager in der Bucht Sviracina an der Nordwestküste der Insel Hvar: Nach einer ruhigen und angenehmen Überfahrt von der Insel Brac zur Insel Hvar zeigte sich der Maestral von seiner unangenehmen Seite, denn er stand uns direkt entgegen und fegte an der Küstenlinie entlang, mit guten 4 bis 5 Beaufort, sodass wir die Gelegenheit beim Schopf packten und die nächste Bucht aufsuchten, gleichgültig, was sich im Inneren verbarg. Wir waren angenehm überrascht, als nur zwei Häuser zu sehen waren und ein kleiner Kiesstrand. Lee entdeckte dann auf einem Inspektionsgang unsere neue, nahezu abgeschlossene Wohnung“ auf einer alten Zisterne mit völlig ebener Fläche über der Bucht, mit Blick auf die Boote. Ein wunderschöner Platz zum Übernachten unter sternenklarem Himmel.

 

 

Bild 8: Auf der Insel Vis hatte ich eine Bucht in Erinnerung, in der ich vor 11 Jahren mein Zelt aufgestellt hatte. Sie hieß Vela Svitnja und lag nördlich der Inselhauptstadt. Zwei Häuser waren in der Zwischenzeit an den Hängen errichtet worden, schienen aber nicht direkt bewohnt zu sein. Wir hatten die Bucht wieder für uns allein. Der Kiesstrand war relativ schmal. Mit dem Gedanken, dass der Maestral am Nachmittag wieder auffrischen könnte, ging Lee bereits in gewohnter Weise auf die Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Dieses Mal waren es keine Zisternen oder Anleger (Der vorhandene Anleger war zu schmal und zu niedrig, sodass wir ihn zwar als nachmittäglichen Lagerplatz nutzten, aber zum Übernachten war er dann doch zu unsicher.), sondern ein kleines Plateau etwas oberhalb des Strands zu dem ein schmaler Pfad führte. Der Platz war gerade groß genug, um Lees Zelt aufstellen zu können. Wieder ein ideales Plätzchen, ungestört von Besuchern und seltenen Badegästen auf der anderen Seite der Bucht, die uns nicht entdecken konnten.

 

 

Bild 9: Wir hingegen blickten über die ganze Bucht und auch auf unsere Kajaks, was natürlich ein sehr beruhigendes Gefühl auslöste. Am späten Abend verlegten wir die Boote sicherheitshalber oberhalb des Strandes neben den Trampelpfad (im Bild etwas undeutlich zu erkennen), weil Wind und Wellen stetig zunahmen und wir keine Lust hatten, eine Nachtaktion mit Stirnlampen zur Rettung unserer Seekajaks zu starten. Nachdem unsere Boote versorgt waren, entschlossen wir uns, einen weiteren Ruhetag in dieser Harmonie der Natur einzulegen. Wir hofften, dass sich die vereinigenden Winde, Maestral und Bora, am nächsten Tag legen und die Wellen bei der Weiterfahrt an der Nordseite der Insel Vis am Tag darauf etwas abklingen würden.

 

Damit die Beiträge nicht zu umfangreich werden, behandle ich unsere Erkenntnisse über die Fahrtechnik, Navigation usw. in eigenen Artikeln.

 

Noch ein kleiner Hinweis: Wenn Ihr Suomalees Reisebericht lest, könnt Ihr noch weitere Bilder von unseren Lagerplätzen betrachten. Ich wollte keine doppelten Photos einstellen. Hier noch einmal der Link zu Suomalees Reisebericht: "Seekajakherz reloaded & die Geschichte vom Wellenkamm".

 

 

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