HW-A-005 - Rente mit 67 und die Moral der Manager

 

verfasst 2012 - geändert am 16.01.2013

 

Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten verlinkte vor rund zwei Jahren einen Bericht von einer Atlantiküberquerung eines 64 Jahre alten Mannes mit einem Spezialkajak. Das veranlasste mich zu nachstehendem Text, den ich nachträglich wiedergeben möchte, weil er heute in die betriebliche Sozialstruktur bei uns in Deutschland so schön passt.:

 

... danke für den Link. Ich muss ehrlich zugestehen, ich habe von diesem Unternehmen nichts gewusst. Auf alle Fälle werde ich es weiter verfolgen. Du hast mein Interesse geweckt!

 

64.000 km in 64 Jahren gepaddelt: Respekt! Mit 64 Jahren noch einmal 3.500 km an einem Stück im Kajak ohne Besegelung zurückzulegen ist eine beispiellose Leistung. Aber es beweist, dass man auch noch im Alter zu großen Anstrengungen fähig ist.

 

OT: Das könnten sich einmal unsere Industrie-Manager zu Herzen nehmen, die der Meinung sind, ein Arbeitnehmer gehört bereits mit 40 Jahren zum alten Eisen und gleichzeitig den Fachkräftemangel proklamieren. Ich frage mich dann, warum sie zur Zeit immer noch rund 30.000 Leute ausstellen wollen - trotz Fachkräftemangel? In Wirklichkeit wünschen sich die Personalchefs nur billige Leute aus dem Ausland, die dann mit ebenfalls 40 Jahren dem deutschen Steuerzahler zum „Hartzen“ und anschließend zur Verrentung übereignet werden.

 

Von Teamfähigkeit und sozialem Verhalten haben diese Herren an den Schaltzentralen der industriellen Macht, trotz absolvierter Survival-Kurse, keine Ahnung. Es täte vielleicht so mancher Führungskraft ganz gut, wenn sie sich bei den Outdoorseiten einklinken würde, um ihre im Dschungel-Camp, Pardon, im echten Survival-Training erworbenen Kenntnisse wieder einmal aufzufrischen.  

Das Forumsmitglied schrieb mir daraufhin eine Privatnachricht mit folgendem Wortlaut „... Wenn ich dein OT so durchlese, bin ich mir unsicher, was dein Hintergrund ist. Ich habe gelesen, dass du in deinem verdienten Ruhestand bist. Deshalb meine Frage, ob du lieber wieder arbeitengehen möchtest? Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden macht dich irgendwie wütend? ... 

 

Ihm ließ ich folgende Antwort, ebenfalls per Privatnachricht zukommen:

 

... Nein, ich bin mit meinem Entschluss, aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, vollkommen zufrieden. Jetzt kann ich noch die meisten meine Jugendträume im  „Low-Budget-Bereich“ erfüllen. Mein Terminkalender ist ebenso ausgebucht, wie während meiner Berufstätigkeit. Daher bin ich nicht wütend.

 

In dem Unternehmen, indem ich gearbeitet hatte, wurde in den 90er Jahre das teure alte Personal ab 50 drastisch reduziert und durch neue junge, angeblich dynamische Leute aus dem Billiglohnsektor ersetzt. Solange die soziale Hängematte in Deutschland noch funktionierte, waren diese Maßnahmen kein Problem, der Schuldenberg in der Staatskasse noch einigermaßen überschaubar.

 

Das selbe passiert in diesen Jahren wieder, allerdings durch ausländische noch billigere Arbeitnehmer. Vorschub leistet dabei die Mär von den fehlenden Fachkräften. Wären die Personalmanager in den Unternehmen ehrlich, würden sie sagen müssen: „Uns fehlen billige Fachkräfte, damit wir den Gewinn für unsere Aktionäre und Gesellschafter maximieren können.“ Und was macht der Staat? Nichts! Der unterstützt dieses Ansinnen weiter. Und dessen Hintergedanke besagt, dass man solange den Staatshaushalt überziehen kann, solange das Volksvermögen noch höher liegt.

 

Das Geldvermögen der Deutschen wird auf rund 5 Billionen geschätzt. Die Staatsverschuldung liegt heute (Ende 2010) bei knapp 1,9 Billionen. Rechnet man damit, dass eine Währungsreform zwischen 3 und 4 Billionen erforderlich sein wird, um den Staatshaushalt noch erfolgreich sanieren zu können, haben die Deutschen noch ein paar Jährchen Luft, wenn die anderen Staaten ähnliche finanzielle Polster hätten - haben sie aber nicht! Deshalb rechnet man mit dem Crash in den Jahren 2014 oder 2015.

 

Sollte ich falsch liegen, bitte korrigiere mich!

 

Du schreibst: ..." Erlaubt ist, was nicht verboten ist ...", Moral, sozialer Anstand, Rücksicht auf Mensch und Natur kommen darin nicht vor ... Wir werden angetrieben dem Wert, der scheinbar am wichtigsten ist zu gehorchen ... GELD ...

 

Da bin ich voll Deiner Meinung! Und gerade diese Verlogenheit in Politik und Wirtschaft macht mich so wütend. Wie heißt der Spruch über Reichtum und Herrschaft so trefflich?

Da flüstert zum Bischof der Fürst und nahm ihn am Arm:

Halte Du sie nur dumm, dann halt' ich sie arm!“

 

Ja, wir sind fein herausgekommen in Deutschland: Sklaverei, Ausbeutung und Umweltverschmutzung haben sich nun in die Entwicklungsländer verlagert. Nur was passiert, wenn die billig produzierten Waren nicht mehr bei uns verkauft werden können, weil die „Stütze“ fehlt? Wen trifft es dann? Die Politiker, die Manager? Was heißt Rente mit 67, wenn kein Unternehmen diese Fachkräfte einstellt, obwohl das Wissen und die Leistungsfähigkeit vorhanden wären - siehe: „Mit 64 über den Atlantik paddeln!“

 

Gut nur für die, die im Survival einigermaßen bewandert sind und sich selber helfen können!

 

 

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