BK-03 - Kochen mit dem Holzgas-Kocher (bushbuddy)

 

 verfasst 2012 - geändert am 25.02.2012

 

Zur weiteren Vervollständigung der Küchen-Ausrüstung möchte ich Euch meinen Holzgas-Kocher vorstellen - neuhochdeutsch auch „wood gas stove“ oder im Survival-Sprech „bushbuddy“ genannt. Angeregt wurde ich von unseren Kocherspezialisten bei den Outdoorseiten. Dafür nochmals vielen Dank für die Inspiration und die ersten Informationen.

 

Gebaut habe ich ihn aus einer alten „Kaminbüchse“. Die offizielle, perfekte Bezeichnung lautet schlicht und kurz: „doppelwandiges Rauchrohrfutter“, im Handwerker-Slang auch nur „Wandfutter“. Ein paar Löcher in die äußere Wand unten gebohrt, ein paar in die innere Wand oben und einen gelochten Boden einer Konservendose in die innere Wand unten eingegeklemmt - fertig.

 

Zum Brennvorgang

 

Ein Holzfeuer brennt grundsätzlich von den Gasen, die beim Glimmen des Holzes entstehen, nicht vom Holz selbst. Am besten ist dies bei einer Kerze zu erkennen, bei der ja der Docht nicht brennt, sondern nur das Gas was vom Kerzenwachs durch die Hitze freigesetzt wird. Erst wenn der Docht so lang geworden ist, dass er über die Flamme hinausragt und mit Sauerstoff in Verbindung kommt, beginnt er zu glimmen und wird zu Asche.

 

Das Feuer sollte von oben langsam nach unten brennen, damit das Holzgas durch die Löcher am Boden dringen kann (unvollständige Verbrennung). Es wird durch die erwärmte Luft in der Zwischenwand angesaugt und, gemischt mit dem Luftsauerstoff, nach oben zu den Austrittslöchern (Brennerdüsen) befördert. Dort entzündet es sich und setzt die eigentliche Kocherflamme in Gang. So heißt es zumindest in den offiziellen Beschreibungen.

 

Bei meinen Beobachtungen habe ich aber bei diesen einfachen Lösungen festgestellt, dass es sich dabei um eine Kombination aus reiner Gasverbrennung (wie bei einem Dosenkocher mit Spiritus) und normalem offenen Holzfeuer (Hobo-Prinzip) handelt. Natürlich könnten man den Kocher noch optimieren, indem man mit den Löchern (Größe, Anzahl, Abstand usw.) experimentiert. Letztendlich ist aber alles auch von der Qualität des Brennmaterials (feucht, trocken, hart, weich, harzig etc.) abhängig, so dass man bei einer gewünschten sauberen Verbrennung nicht ohne eine Regulierung der Luftzufuhr auskommt. Unser Equipment sollte aber so einfach wie nur möglich ausgeführt sein. Deshalb habe ich bei meinem Modell auch Kompromisse in Kauf genommen.

 

Die Bildfolge erklärt den Kocher und das Prinzip.

 

 

Bild 1: Der Holzgasofen ist mit Brennmaterial bestückt. Das Holz innen im Brennraum haben ich senkrecht hineingestellt. Es darf nicht allzu dicht aneinander gepackt liegen und die Löcher unten im Boden nicht verdecken. Darauf eine Papiertuch und oben Anzündholz. Die beiden Aluprofile dienen als Abstandhalter vom Kocher zum Topf (aus einer alten Fernsehantenne geschnitten). Als Topf fungiert heute einmal eine Konservendose. Es wäre allerdings besser, einen Topf oder eine Pfanne zu benutzen, die über den Kocherrand hinausstehen, damit nicht allzu viel von der Energie an den Seiten entweicht.

 

 

Bild 2: Der Anzündvorgang dauert eine Weile bis das Spreißelholz richtig brennt und das eigentliche Brenngut von oben entfacht wird.

 

 

Bild 3: Der Kocher in voller Aktion, allerdings ohne Windschutz und passendem Topf. Damit der Kocher richtig zieht, muss er unten auf einer ebenen Fläche aufliegen, weil der untere Boden fehlt. Ich habe ihn mir einfach gespart. Ich könnte auch behaupten, das sei Absicht gewesen, damit ich ihn unten ein wenig anheben kann, wenn der Zug oder die Verbrennung nicht optimal verläuft.

 

 

Bild 4: Hier kann man recht gut erkennen, wie die Flamme wie ein Strahl aus der Düse heraustritt.

 

 

Bild 5: Endergebnis: Das Wasser kocht. Rund stolze 17 Minuten hat es gedauert, bis ein dreiviertel Liter Wasser bei 6 Grad Außentemperatur strudelte: ohne Deckel, ohne Windschutz und mit nicht angepasstem Topf. Nicht gerade schnell, dafür billig, weil das Brennmaterial nicht gekauft und mitgenommen werden muss. Wer die Zeit bemängelt, sollte sich überlegen, ob er nicht während des Wasserkochens sein Lager herrichten oder sich von den Anstrengungen des Tages erholen könnte.

 

Fazit:

 

Ein Holzgas-Kocher in dieser einfachen Ausfertigung ist meines Erachtens mehr eine Spielerei, als im Outdoorbereich eine wirkliche Option zum Kochen. Der Ofen ist durch das Doppelwandprinzip, alleine vom Gewicht und Volumen her, nicht praktikabel, selbst wenn man die leichtesten Materialien verwenden würde.

 

Wenn man ausschließlich mit Holz kochen will, halte ich einen Hobo-Ofen für die sinnvollste Lösung, weil er universell als Kocher (mit Lochboden) und als kleines romantisches Wärmefeuer (mit eingelegter, geschlossener Bodenplatte) eingesetzt werden kann. Beim Kajaking, wenn das Volumen und das Gewicht eine nicht so entscheidende Rolle spielt, halte ich eine runde Ausführung in Edelstahl („Besteckkorb-Hobo“) für die beste Lösung. Für das Trekking finde ich einen eckigen Hobo (in Steckplattentechnik, vier- oder besser noch dreieckig) als guten Kompromiss. Er ist klein zu verpacken (zumindest sehr flach) und als „Ultraleicht-Hobo“ kann er meinetwegen auch aus Titan gefertigt sein.

 

 

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