KN-01 - Betrachtungen zu nautischen Hilfsmitteln

 

verfasst 2010 - geändert am 07.01.2011

Was macht den Unterschied, wenn eine 12-Meter-Segel-Jacht auf Grund läuft oder ein Seekajak auf einer Untiefe aufsitzt? Wenn man sich diese Frage beantwortet, wird jeder erkennen, warum die Nautikschulen beim Segelschein grundsätzlich auf genaue Seekarten pochen.

 

Beim Seekajak ist das anders. Das Problem mit den Untiefen kennt der Kajaker kaum. Ich schruppte schon einige Male über scharfkantige Gesteinsformationen, weil ich nicht aufgepasst und gedacht hatte, ich könne über die Untiefe locker hinwegpaddeln. Schon manchen Span hat es da aus meinem Kajakboden abgeschält. Aber das Ding ist nach 8 Jahren und über 10.000 km immer noch dicht. In meinem Beitrag KT-10 - "Sichtweite, Teil 1" habe ich im zweiten Abschnitt: "Kleine Anekdote über die unterschiedliche Navigation-Erfordernisse bei Seekajak und Segeljacht" die unterschiedlichen Navigations-Probleme von Segel- und Paddelbooten in eines kleinen Erlebnisses beschrieben.

 

Für die Navigation im Mittelmeer benutze ich auf Langtouren tatsächlich normale topographische Karten. Allerdings sind die mit dem Gitternetz versehen, so dass ich meine Position nach der GPS-Peilung (e-trex von Garmin, bereits ein Klassiker) eintragen kann. Da hätte ich schon manch lustiges Nachtlager mitten auf dem Meer erleben müssen, wenn ich der Genauigkeit der Karte geglaubt hätte. Hält man sich in einem begrenzten kleinen Seegebiet auf (z.B.: Insel Korsika, Insel Cres, Insel Korfu ...) wäre aber zu überlegen, sich eine spezielle Seekarte der Region anzuschaffen.


An der Dalmatinischen Küste verwende ich zusätzlich den Hafen- und Ankerplatz-Atlas von Karl-H. Beständig, 15. Auflage, 2002. Der ist schon sehr in die Jahre gekommen, aber er reicht mir für meine Navigation aus, bietet er doch noch eine Fülle von Informationen über Wetter, Winde, Strömungen usw. In Griechenland hantiere ich mit der offiziellen griechischen Straßenkarte 1:250.000.


Für die Überfahrten von Insel zu Insel oder über Buchten habe ich mir bei der Planung eine Tabelle angelegt, in der ich die möglichen Überfahrten mit Position, Distanz, Kurs und Angaben zum vorherrschenden Wetter und zu den Winden zusammengestellt habe. Das hat bisher immer ausgereicht. Für die Ermittlung der Daten verwende ich die Deutschen Seekarten 1:750.000, gekauft 2003, für das entsprechende Gebiet. Ich trage mir bei jeder Kompassrose die aktuelle Missweisung für das laufende Jahr ein, damit ich mir die ständige Umrechnung erspare. Diese Seekarten, Lineal und Kursdreieck sind mit an Bord, für alle Fälle, wenn ich eine Routenänderung vornehmen muss! Bei der letzten Fahrt habe ich aber mit dem Lineal von „google earth“ die Daten ermittelt. Das geht bedeutend schneller. Trotzdem solle jeder das Arbeiten mit der Seekarte beherrschen (Siehe dazu meine Beiträge KN-03 - "Orientierung mit Karte und Kompass - Wie war das doch gleich?" und KN-04 - "Der Kompass und wie man ihn benutzt").


Damit alles zusammenhält, habe ich mir eine Informationsmappe aus Klarsichthüllen angelegt, in denen alles fein säuberlich steckt, einschließlich Lineal, Kursdreieck und Routenbeschreibung, damit man bei meiner täglichen Positionsdurchgabe mit dem Handy zu Hause weiß, wo ich mich aufhalte. In das Doppel der Routenbeschreibung trägt dann meine Frau das Datum an der durchgegebenen Position ein. Die Seekarten musste ich allerdings zuschneiden und passend neu zusammenlegen, damit sie in die Hüllen passen. Damit der Packen nicht zu dick wird, sind immer nur die aktuellen Karten in der Info-Mappe.


Das Beschriebene gilt wohl gemerkt nur in der Badewanne Mittelmeer, ohne merkliche Gezeiten! Das ist auch ein Grund, warum es mich mit dem Seekajak immer wieder in diese Region zieht. Wenn man die Grundkenntnisse vom Mittelmeer-Wetter besitzt und sich über die lokalen Windverhältnisse informiert hat, muss man beim Küstenpaddeln nicht unbedingt den Wetterbericht regelmäßig abhören. Ich habe kein Radio dabei, und das Handy benutzte ich nur, um zu Hause meine tägliche Position durchzugeben.


Ich persönlich vertraue lieber meinem gesunden Menschenverstand, meinem Wissen und meiner Erfahrung als allzu blind der modernen Technik, die mir dann auch nichts nützt, wen sie ausfällt. Es reicht doch schon wenn der Akku oder die Batterien leer sind. Da bin ich froh und beruhigt, wenn ich weiß, wie man einen Fishline-Sextanten bauen und auch verwenden kann. Mit diesem und einer Seekarte kann ich auf die Minute genau meine Position feststellen. Den habe ich aber bis jetzt noch nicht nötig gehabt.


An der Nordsee herrschen natürlich ganz andere Verhältnisse. Da ist nicht nur eine genaue Seekarte zwingend erforderlich, sondern auch Gezeitentabellen und aktuelle Informationen über das Wetter. Allerdings habe ich da keinerlei Erfahrung.

 

 

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