KE-02 - Der Kauf eines Kajaks


verfasst 2010 - geändert 07.01.2011


Als ich mir meinen ersten Kajak 1963 ausgesucht hatte, war Klepper noch der Platzhirsch der Hersteller-Riege. Papa Prijon machte sich in diesen Jahren als WW-Abfahrtsweltmeister und bei Klepper zuständig für die Optimierung der Paddel gerade selbständig. Kleppers Bootskatalog, eine hektographierte Lose- blattsammlung, später modernisiert mit einer Heftklammer zusammengehalten, besaß noch übersicht- liche Ausmaße. Da gab es ein paar Wander-,Wildwasserabfahrts- und Wildwasserslalomboote jeweils in den Ausführungen faltbar (Hadernkahn) und starr (für verblockte Plastikbäche). Die starre Version mit Glasfaser-Verbundwerkstoffen wurde damals als innovative Errungenschaft von epochalem Ausmaß angepriesen.

Meine Entscheidung war 1963 schnell getroffen, musste ich ja nur den Verwendungszweck und die Materialart berücksichtigen. Das Wanderpaddelboot „Bummler“ aus GFK hängt noch heute in meiner Garage und das erste Paddel aus Holz, 2,4 m lang, teilbar, begleitet mich als Reserve auf meinen langen Seekajakreisen - nur gekürzt, damit es in die Sitzluke passen und in Signalfarbe neu lackiert.

Einen Kajak heute zu kaufen, entspricht beinahe der selben Herausforderung, als wenn man eine Reise zum Mond plant. Was gibt es da nicht alles an Kajakformen, Materialien, Zubehör, Verwendungszwecke und wie viele geheime Wünsche der Interessenten werden da geweckt – so geheime Wünsche, auf die der Käufer selbst noch gar nicht gekommen ist.

Vor 8 Jahren (2002), als ich mich für einen Prijon Kodiak als Seekajak, ein Ersatz für ein GFK-Boot mit einem Fabrikationsfehler, entschieden hatte, ging ich entsprechend den Erfahrungen, die ich in meinem Berufsleben gesammelt hatte, mit einer normierten Entscheidungsfindung vor und setzte dazu die Wertetabelle (siehe BK-08 - "Normierte Entscheidungshilfe - Wertetabelle") in Verbindung mit den 6 W-Fragen (siehe BK-07 - "Normierte Entscheidungshilfe - Die 6 W-Fragen") professionell ein. Ich habe mir dann entsprechend der Auswertung den Testsieger angeschafft und ich kann nach weit über 11.000 Fahrtenkilometern auf dem Mittelmeer und Donau bestätigen, dass ich noch heute mit der Entscheidung und diesem Gefährt zufrieden bin.

Natürlich hatte es kleinere Mängel gegeben. So musste ich die scharfen Kanten, die mit dem „heißen Messer“ geschnitten waren, erst entgraten, einige undicht gewordene Pop-Nieten gegen abgedichtete Verschraubungen auswechseln und während der ersten Reise, die Schrauben der Fußrasenleisten nachziehen und den Steuerungsbeschlag mit meiner abgewandelten Version neu montieren - das scheinbar größte Handikap aller Prijon-Boote. Jetzt ist er absolut dicht und ich fahre den Kodiak sogar mit dem großen Steuerblatt des Zweier-Wanderbootes ohne jeglicher Probleme. Selbst als heuer das Heck einmal gegen einen Felsen geknallt und das Steuerblatt in einem knappen 45-Grad-Winkel verbogen war, blieb der Steuerbeschlag dicht. Ich richtete das Ruder sogar am Boot wieder aus, ohne es zu demontieren.

Ich glaube nicht, dass man einen Kajak, den man auf Touren verwenden will, nur mit den Eigenschaften der Schnelligkeit und des Geradeauslaufs aussuchen sollte. In einigen einschlägigen Foren wird dies immer wieder diskutiert. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt, dass das Gesamtkonzept stimmen muss, damit man auch nach der Reise noch mit seinem fahrbaren Untersatz zufrieden ist. Das gilt nicht nur für einen Kajak sondern auch für Skier, Fahrräder, Motorbikes, Wohnmobile usw.

   

 

 

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