KE-04 - Der alte Diskurs: Steuerruder versus Skeg

 

verfasst 2011 - geändert am 09.04.2011

 

In meinem Beitrag KE-03 - Qualitätsanspruch an das Paddel-Equipment habe ich das Steuerruder dem Skeg vorgezogen. Dazu habe ich mir in einem Fachforum heftige Kritik von Seiten eines Skeg-Fans anhören müssen.  

Er hat geschrieben:

 

Seit Jahren muss ich diesen Unfug zum Thema Skeg immer wieder in diversen Foren lesen. Wie kommst du zu dieser Feststellung?

 

Ein gut austariertes Boot lässt sich unter den meisten Bedingungen skegfei fahren. Je nach Paddler kann der Skegeinsatz am Ende bei Beaufort 4 (5 - 6) dafür sorgen, dass sich das Qajaq weiterhin neutral am Wind verhält. Und alles darüber hinaus wird meistens auch nicht mehr von einem Boot mit Steuer bepaddelt.

 

Ein Steuer mag manch Paddler für komfortabler halten, aktives Paddeln mit und ohne Skeg führt aber nicht zu schlechterer Manövrierbarkeit. ...

 

Ihm habe ich wie folgt geantwortet:

 

… Deinen schimpfenden Smiley hast Du sehr sinnvoll platziert! Es ist tatsächlich Unfug, sich mit dem Thema Skeg als direkten Vergleich zu einem Steuerruder auseinanderzusetzen, ist es doch wieder Äpfel mit Birnen gegeneinander abzuwägen. Ein Skeg unterstützt den Geradeauslauf eines Kajaks, während ein Steuerruder genau das Gegenteil, die Beweglichkeit eines Paddelbootes fördert.

 

Darf ich davon ausgehen, dass Du mit: „Wie kommst du zu dieser Feststellung?“ meine Behauptung meinst, ein Steuerruder würde allgemein Vorteile gegenüber einem Skeg haben und sei deshalb die erste Wahl? Ich habe diese Behauptung ausschließlich im Kontext zu meinen weitschweifenden Seekajakreisen aufgestellt, wie unschwer aus meinem Beitrag herauszulesen ist und nicht für das allgemeine Sport- und Freizeit-paddeln.

 

Bevor wir uns erneut auf eine Grundsatzdiskussion „Skeg kontra Steuerruder“ einlassen und befürchten müssen, dass dabei wieder keine grundlegende Entscheidung zugunsten eines der beiden Systeme her- auskommt, möchte ich hier erklären, wie ich zum Steuerruder gekommen bin und warum ich auf meinen Langfahrten ein Fußsteuer bevorzuge.

 

Bis ich mit dem Paddeln und dem Seekajaking zu Beginn dieses Jahrtausends wieder anfing, war ich in meinen jungen Jahren weder mit Skeg noch mit einem Steuerruder unterwegs. Zum Steuern reichte das Paddel, Du bezeichnest es als „aktives Paddeln“, völlig aus, obwohl ein Steuerbeschalg bei meinem Wan- derboot bereits vorhanden war.

 

Voraussetzung einer guten Manövrierfähigkeit alleine mit dem Paddel ist natürlich, dass das Boot im Was- ser entsprechend getrimmt ist. Von dieser notwendigen Maßnahme gehst Du ja auch sinnvoller- weise aus. Das wird auch von mir so beim täglichen Packen gemacht, obwohl ich mit einem Steuerruder fahre. Die Bussole meines auf dem Kajak fest montierten Halbkugel-Kompasses (siehe dazu meinen Beitrag KN-02 - Navigatorische Reiseplanung) dient mir dabei als Wasserwaage. Auf dieses Handling alleine mit dem Paddel, das heißt im Prinzip „Drehen auf der Stelle“, z.B. beim Wenden, nehmen weder Steuerruder noch eingefahrenes Skeg Einfluss! Ein ausgefahrenes Skeg hemmt sogar die Prozedur, während ein Steuerruder weder Vor- noch Nachteil aufweist, es baumelt beim Drehen einfach lose am Heck. In diesem Punkt sind wir bestimmt einer Meinung!

 

Ich schließe mich auch Deinen Ausführungen an, dass ab 5 Beaufort, spätestens ab 6 Beaufort ein Weiterpaddeln vermieden werden soll. Das nützt aber nichts, wenn mich ein Sturm gerade bei einer Überfahrt mit mehr als 6 Beaufort erwischt. Das kommt zwar nicht oft vor, bis jetzt vielleicht 3- oder 4-mal und zum Glück nur als kurze Sturmphasen, weil ich die Wetterregeln beachte und sie meist auch richtig auslege. Aber wenn es doch einmal passiert ist, dann bin ich über meine Steueranlage sehr froh, um weiter voranzukommen und zum Ufer zu gelangen, wie in den Beiträgen KE-03 - Qualitätsanspruch an das Paddel-Equipment und KF-03 - Stürmische Überfahrt nach Spetse am Peloponnes - 2006 beschrieben.

 

Für die ausgedehnten Reisen an der Küste entlang, die ich dann ab 2002 begann, hatte ich mir nicht nur ein spezielles Boot für Langfahrten angeschafft, sondern auch das passende Zubehör: Kompass und Fußlenz- pumpe sind englische Fabrikate (Es gab zur damaligen Zeit nichts Besseres.), Kajak, Paddel und Steuer- anlage sind aus deutscher Produktion.

 

Seekajaks mit Skeg, so glaube ich, sind zur damaligen Zeit in Deutschland überhaupt nicht gebaut, sondern überwiegend aus England, der Heimat des Skegs, importiert worden. Für mich hat sich damals die Ent- scheidung Skeg oder Steuer deshalb erübrigt.

 

Auf Erfahrungen mit Skeg-Booten kann ich nicht zurückblicken. Meine Erkenntnisse darüber habe ich mir ausschließlich aus der Theorie erarbeitet.

 

Dabei habe ich für den Vergleich folgende Überlegungen angestellt:

1

Das Skeg ist eine zusätzliche Flosse am Heck des Kajaks, die die permanente Luvgierigkeit des Bootes bei seitlichem Winddruck ausgleichen soll, damit man nicht ständig mit dem Paddel den Kurs korrigieren muss. Ein Skeg hat aber mit der eigentlichen Wendigkeit, die ein Steuerruder unterstützt, überhaupt nichts zu tun, sondern es begünstigt primär den Geradeauslauf.

2

Was spricht rein wirkungsmäßig (nur Ausgleich des Winddrucks, nicht die Stabilität oder leichtere Be- schädigung der Flosse) dagegen, wenn ich das Skeg hinter dem Kajakheck fest montiere? So wie ich das theoretisch sehe: nichts! Bitte verbessert mich, wenn ich falsch liege.

3

Wenn von der Skeg-Befürworter-Seite keine Einwände kommen, welcher Unterschied besteht dann zwi- schen einem Skeg und einem festgestellten (zum leichteren Verständnis: verschraubten!) Steuerruder mit parallel zur Kiellinie ausgerichtetem Blatt?

4

Sollte hier kein Unterschied zuerkennen sein, so kann ich sagen, dass das festgestellte Steuerblatt, den selben Effekt aufweist wie das Skeg. Ich persönlich erkenne von der Wirkung her keinen Unterschied, von der Form und der Flossengröße einmal abgesehen. Bitte korrigiert mich, wenn ihr das anders seht!

5

Besteht in diesem speziellen Fall kein Unterschied zwischen Steuerblatt und Skeg, warum sollte dann ein bewegliches Steuerruder nicht von Vorteil sein, wenn ich zu den Eigenschaften eines Skegs noch zusätzlich mit meinem vollbeladenen Kajak spielend leicht die Richtung ändern kann, ohne extra das Paddel einsetzen zu müssen? Wenn man es genau betrachtet, kann ich mit dem Steuerruder nicht nur ein Skeg ersetzen, sondern auch zusätzlich die Manövrierfähigkeit unterstützen, vielleicht sogar erhö- hen, wenn der Kajak läuft, die sonst nur durch „aktives Paddeln“ durchgeführt werden kann - aus meiner Sicht, ein doppelter Vorteil. Oder bin ich da einem Missverständnis aufgesessen?

6

Das Skeg spielt seine Überlegenheit aber auf alle Fälle im Rennkajaksport aus, insbesondere auf langen Distanzen! Optimal auf das jeweilige Rennen (Kanute und Windverhältnisse) eingestellt, übertrifft das Skeg bei Weitem ein Steuerruder, weil der Kajaker sich vollständig auf die reine Vorwärtsbewegung konzentrie- ren kann.

7

Einen gravierenden Nachteil sehe ich mit dem Steuerruder nur beim Rückwärtspaddeln! Auf längeren Strecken rückwärts ist es sinnvoll, währenddessen das Ruderblatt aufzuholen. Beim kurzen Zurücksetzen habe ich mir angewöhnt, das Ruder starr in der Mittelposition zu halten. Wenn ich aber ehrlich bin, gelingt mir das nicht immer, insbesondere bei spontanen Aktionen.

 

Soweit meine etwas einseitige, sehr theoretische Erklärung, warum ich eine Steueranlage beim Seekajking mit schwerem, vollbeladenem und deshalb tiefliegendem Boot auf langen Strecken bevorzuge. Wenn einer meiner Gedankengänge in die falsche Richtung gelaufen ist, bitte ich Dich, ihn zu korrigieren.

 

Wie Du auch schreibst, gehöre ich zu den Paddlern, die auf langen Seekajaktouren ein Steuer für komfortabler und auch für universeller einsetzbar halten, als ein sportliches Skeg. Ich vertrete noch die „alte“ bequeme Generation, für die das Paddeln nicht ausschließlich Leisungssport bedeutet, sondern viel mehr das Outdoor-Leben in seiner Ganzheit und in aller Gemütlichkeit genießen und trotzdem vorankommen will.

 

Zu guter Letzt möchte ich doch noch einmal betonen, dass ich den Skeg-Freunden nicht als Leder will. Na- türlich hat jedes System seine Verfechter. Jeder von uns benutzt sowieso nur das, was er persönlich für besser hält. Der junge Sportsmann manövriert alleine nur mit dem Paddel mit oder ohne Skeg, der alte Herr hingegen verwendet halt zusätzlich noch das Steuerruder als Arbeitshilfe, ähnlich einem „Krückstock“. Ich vermeide mal den Ausdruck vom „alten Knacker“, hat man mir doch vor Kurzem erst bescheinigt, gegen- über den anderen Forumsmitgliedern doch gar nicht so viel älter zu sein. (Smiley: Zwinker) ...  

Darauf hat mir mein Kritiker mit folgenden Textauszügen erwidert:

 

… Ich will hier auch keine Grundsatzdiskussion führen. Jeder muss und soll für sich selbst entscheiden, ob er Steuer oder Skeg oder gar nichts (Rockpool Alaw z.B.) am kajak haben möchte. Ich fand deine von mir zitier- te obige Aussage nur zu pauschal. Jetzt hast du diese ja ausführlicher (und zu meiner vollsten Zufriedenheit) differenziert. Deshalb nur ganz kleine Anmerkungen aus meiner Sichtweise.

zu 1:

Ja. Das Skeg sorgt für neutrales Verhalten des Kajaks bei seitlichen Winden, es wirkt der luvgierigkeit entgegen. Da die meisten Boote aufgrund ihres bauseitigen Schwerpunktes luvgierig ausgelegt sind, macht es Sinn, das Kajak hecklastiger zu beladen. Wenn ich mein Kajak am hinteren Süllrand hochhebe, sollte das Heck für einen optimalen Trimm zuletzt hochkommen. Damit erreiche ich hohe Windneutralität und benutze das Skeg als Sicherheitsreserve erst, wenn es unangenehmer wird ...
(Lege ich einen 5Liter-Wassersack ins leere Kajak hinter das Skeg ins Heck, verhält sich das Boot deutlich neutraler zum Wind. 4 Beaufort sind ohne Skegeinsatz paddelbar ... dieses Mehrgewicht lohnt sich sinnvol-lerweise aber nur, wenn Kajak leer und die Bedingungen erwartungsgemäß schwieriger werden.)

zu 2:

Jede Verwirbelung unter dem Boot bremst. Sei es ein Steuer oder ein ausgeklapptes Skeg. Ein Kajak läuft am Besten ohne angebautes Unterwasserhindernis. Mit dem festmontierten Skeg (hatte ich zum Beispiel an meinem damaligen Feathercraft-Faltboot) beraubst du dich der Flexibilität unterwegs. Ein gut getrimmtes Boot kann durch herausfahren und einholen des Skegs im Zentimeterbereich zum Wind anluven bzw. abfal- len. Ein geniales Gefühl, diese Wirkung so direkt zu spüren (vielleicht war ich auch zu lange Segler in mei- ner Jugend - aber ich kann mich dafür begeistern)

zu 3 und 4:

siehe 2

zu 5:

Es mag erstmal als Vorteil erscheinen. Ich sehe es als Komfort-Funktion, aber mit folgenden Nachteilen:
1. Leider versaut ein Steuer die Paddeltechnik. Die wenigsten Paddler beherrschen mehr als den Grund-schlag vorwärts, vielleicht noch den Bogenschlag aus Verzweiflung - Bug- und Heckruder, Ziehschläge, Wriggen ... (vom Ankanten will ich gar nicht erst anfangen) Fehlanzeige!

2. Fällt das Steuer unterwegs aus, gibt es massive Probleme. Ein nicht funktionierendes Skeg schafft auch hier Probleme, aber in aller Regel kann durch Trimmen / Kanten das Kajak trotzdem auf Kurs gehalten werden.

3. Bootstrimm. Spielt ja keine Rolle, ist ja ein Steuer dran zum manövrieren. Sprich, die Steuerbootfahrer (du bist da eine Ausnahme Beyond) packen frei nach Schnauze. Teilweise noch einen dicken Packsack oben drauf. Fällt dann das Steuer unterwegs aus und das Kajak ist zu buglastig, geht noch ein Gegenwindkurs oder jeder zweite Paddelschlag ist ein abbremsender Steuerschlag.

zu 6:

Theoretisch denkbar, aber in der Praxis kaum umgesetzt. Gerade im Rennsport werden kleine (hydro-dynamische) Unterwassersteuer am Heck mit T-Steuerung im Kajak gefahren. Teilweise sind die Steuer hinter einer kleinen starren Flosse (Skeg) angebracht. Es geht hier nur um maximalen Vortrieb und minimale Kurskorrekturen, auch ein starres Skeg erforderte Kurskorrekturen mit dem Paddel und ist dem Rennsport-Highspeed eher abträglich, deshalb hat sich das nicht durchgesetzt.

zu 7:

Ja, der Wirkungsgrad ist einfach zu hoch beim Rückwärtspaddeln, auch kleinste Steuerbewegungen werfen das Boot dann aus der Bahn.

zur Schlussbemerkung:

Ja, volle Zustimmung. Ich will auch niemanden bekehren. Mein Anspruch war nur, die meiner Meinung zu einseitige Aussage in Bezug auf Steuer oder Skeg anzuprangern. Ich bin viele Jahre ein Kajak mit Steuer gefahren. Dann ein Faltboot ohne und mal mit starrem Skeg und irgendwann wollte ich mehr. Es erschien mir zweifelhaft aufrecht und gerade in einem Kajak zu sitzen und nur mit den Füßen die Richtung zu bestimmen. Aber frag nicht, wie oft ich am Fluchen war und mich verwünscht habe, mir für das gleiche Geld nicht einen Lettmann Nordstern mit vorbalancierter Unterwassersteueranlage geleistet zu haben … Es ist und bleibt Training Skeg-Kajaks bei verschiedensten Bedingungen zu beherrschen ... und das macht für mich auch den Reiz aus.  

Und in einem Nachtrag ergänzte er:

 

Gestern war ich auf einem Kajakvortrag bei Globetrotter in Berlin. Zeitgleich ist dort eine Ausstellung eines Ehepaars zu sehen, welches in Norwegen paddeln war. Unter anderem hängt auch sein Boot, ein Nordkapp Jubilee, in der Ausstellung. Aber jetzt zum Thema Skeg, seine völlig andere Sichtweise:

 

Er trimmt sein Boot buglastig, um noch höhere Luvgierigkeit zu erzielen und das Skeg einsetzen zu müssen, um das Boot damit variabel zu steuern.

 

Ich stand nur daneben und habe mir das angehört, ich blieb ganz ruhig und schlich von dannen ... aber einleuchten will mir das nicht.

 

Meine Philosophie ist: Ich will das Skeg so spät wie möglich nutzen um nach hinten raus genügend Sicherheitsreserven zu haben, wenn es auffrischt. Ein buglastiger Trimm mit dem Unterschied zwischen Valley Nordkapp und Valley Qajariaq zu erklären geht imo auch nicht auf. (?) ...

 

Meine abschließende Stellungnahme lautete:

 

... Danke für Deine präzisen Ausführungen zu meinen einzelnen Kommentaren über das Skeg. Deine Hinweise über die Lenkmöglichkeiten beim Rennkajaksport habe ich noch nicht gekannt. Schön, dadurch meinen geistigen Horizont erweitern zu können.

 

Dass bei der Nutzung eines Steuerruders viele Paddeltechniken auf der Strecke bleiben, muss ich leider bestätigen. Es ist teilweise so schlimm, dass sie bei vielen jungen Kajakern nicht einmal bekannt sind, ge- schweige gelernt werden, weder in Kursen noch autodidaktisch. Spätestes wenn die Wellen höher werden und zu brechen beginnen (ab 6 Beaufort) wird man die Vorteile der einzelnen Steuertechniken erkennen und auch ihren Sinn verstehen. Ich möchte da zu Deinen angesprochenen Techniken noch die hohe und tiefe Paddelstütze hinzuzählen und auch das Ankanten nochmals betonen, insbesondere wenn der Kajak parallel zum Brecher liegt. In so einer Situation (Ankanten mit hoher Paddelstütze) erlebte ich auch meinen Paddelbruch zwischen den Kykladen-Inseln Makronisos und Kea in der Ägäis.

 

Zu Deinem Nachtrag: Eigentlich sollte ein Bootstrimm dazu dienen, bei einem Kajak ideale Fahreigen-schaften zu erzeugen. Wenn man allein mit dem Trimmen erreicht, dass das Boot auf ruhigem oder leicht beweg- tem Gewässer (Du meinst bis rund 4 Beaufort.) ohne zusätzliche Hilfsmittel (Steuer, Skeg, Steuerschläge mit dem Paddel) geradeaus läuft, sehe ich das als gekonnt an. Alles Andere widerspricht dem eigentlichen Zweck, zusätzliche Hemmnisse im Wasser, wie z.B. eine Flosse, zu vermeiden. Ich kann mit der von Dir er- wähnten absichtlichen Buglastigkeit bei gleichzeitigem Ausgleich durch das Skeg ehrlich gesagt auch nichts anfangen.

 

Den einzige Sinn in dieser Maßnahme sähe ich höchstens darin, wenn der Kajak auf Grund seiner Kon- struktion von Haus aus leegierig ausgelegt ist und deshalb der vordere Stauraum schwerer belastet werden muss, um neutrale Fahreigenschaften zu erzielen. So ein Design kann ich mir aber eigentlich nicht vorstel- len, wäre auch Unsinn. Aber Du schreibst ja, man wollte damit eine verstärkte Luvgierigkeit erzielen. Wenn man den Skeg aber als Quasi-Steuer verwendet (ohne Skeg: Kajak zieht nach Luv, mit Skek,:Kajak zieht nach Lee), könnte man ja gleich ein Steuerruder montieren. (Ironie an) Aber die Engländer sehen halt auf ihren eleganten Booten (Valley) nicht so gern eine plumpe deutsche Technik (Ironie aus). Ich habe mich vor dem Kauf meines Bootes lange mit Horst Gadermann und seinem Team in Nordersted über dieses Thema unterhalten, als ich ihn mal auf einer meiner Motorradtouren nach Skandinavien in seinem damals neuen Laden am Hummelsbütteler Steindamm besucht habe.

 

Bei mir erfolgt das Austarieren, indem ich die Wasserflaschen (1,5 Liter) entsprechend in den vorderen und hinteren Stauräumen verteile, bis die Kompass-Bussole eine Ebene mit der Wasseroberfläche bildet, ähn- lich wie bei einer Wasserwaage. Na ja, das mache ich einmal bei ruhiger See, wenn möglich zu Beginn einer Tour. Danach weiß ich, wie ich die Wasserflaschen entnehmen muss, damit der Kajak im Trimm einigermaßen gleich bleibt: abwechselnd, zuerst eine von vorne, die nächste von hinten. Beim Paddeln sehe ich am Kompass, ob der Trimm stimmt und korrigiere dann die Beladung während einer der nächsten Pausen, wenn es notwendig geworden ist. Obwohl ich der Bequemlichkeit halber mit einem Steuerruder fahre, möchte ich durch den Trimm doch sehr gerne in einem leichtlaufenden, kursstabilen Boot sitzen.

 

Bei allen anderen Punkten sind wir einer Meinung, glaube ich ...

 

Nochmals vielen Dank für Deine Ausführungen und ich wünsche Dir noch weiter viel Freude beim Paddeln mit dem Skeg in Deinem schnittigen Seekajak ...

 

 

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