BG-16 - Ab wann kann man mit dem Naturschutz eigentlich beginnen?

 

verfasst 2012 - geändert am 28.12.2012

 

Bei den Outdoorseiten wird über den Naturschutz im Rahmen des Unterforums „K(l)eine Spuren“ oft kontrovers diskutiert. Da stehen sich Befürworter und Gegner gegenüber mit verhärteten Argumenten. Auf einen Kompromiss wird man sich wohl nicht einigen können. Ich habe versucht, die Problematik aus den vorangegangenen drei Artikeln BG-13 bis BG-15 aufzuzeigen und was jeder einzelne von uns eigentlich sofort tun kann, um den archaischen, natürlichen Lebensraum, den wir Outdoorler so lieben, zu erhalten - unabhängig von der großen Politik, die manche Kritiker vorschieben.

 

Nachstehend habe ich meinen Beitrag abgedruckt:

 

(Zitatanfang) ... Im Vergleich zu den Schäden, die durch industrielle Verschmutzung und Kommerz in der Natur hervorgerufen werden, ist das auf ein Minimum an Ausrüstung beschränkte Trekking geradezu ein absolut zu vernachlässigender Fliegenschiss ... (Zitatende)

 

Das oben erwähnte Zitat habe ich zwar aus den Zusammenhang gerissen und ich bitte den Autor deshalb um Verständnis, aber es bringt meines Erachtens die Ganze Diskussion um den Naturschutz auf den Punkt.

 

Es stehen sich beim Naturschutz zwei Bereiche gegenüber: Die „Großen Spuren“ der Verschmutzung der Umwelt durch Industrie, Handel und Verkehr und die „Kleinen Spuren“ durch den direkten Benutzer der Natur, also durch uns, der Outdoor-Gemeinde und der Bevölkerung.

 

Und schon stecken wir in einem Dilemma: Welchen Einfluss haben wir als Staatsvolk, auf Industrie, Handel und Verkehr? Die sorglosen, in den Tag hineinlebenden Mitbürger machen es sich sehr leicht und sagen einfach: „Überhaupt keinen.“ Andere, langsam zu denken beginnende Zeitgenossen behaupten: „Nur durch unser Kreuz auf dem Stimmzettel bei der Wahl derjenigen, die Einfluss auf die Verursacher nehmen können und es auch wirklich tun.“ Die dritten, mehr umweltbewussten Landsleute wiederum sind schon einen Schritt weiter und meinen: „Zusätzlich zu den Wahlen, auch durch unser Konsumverhalten!“

 

Bei den „Großen Spuren“ muss ein Umdenken bei allen Menschen auf der ganzen Welt einsetzten, um den Druck auf Regierungen, Industrie und Handel so zu erhöhen, dass es bei den Verantwortlichen zu einer Einsicht und zum ökologischen Wandel kommt. Dazu fällt mir der Spruch der Cree-Indianer ein, der abgewandelt und angepasst zum Slogan der Öko-Bewegung aus den 1980er-Jahren geworden ist: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Er passt genau auf die heutige ausufernde, eigentlich lebensraum- und menschenverachtende Politik mit ihren einflüsternden Lobbyisten aus Industrie und Banken, die ihre ihnen genehmen Volksvertreter bereits an die Schaltstellen der Macht gehievt haben, weil das Wahlvolk durch den „amerika-angepassten“ Bildungsverfall allmählich dumm gemacht und so zum reinen manipulativen Stimmvieh degradiert wird.

 

Leider hat die Natur aber keine Lobby! Und es wird vermutlich noch sehr lange dauern - wenn überhaupt - bis ein entsprechendes Umdenken bei den Menschen in der Welt, bei den korrupten Staatslenkern und geldgierigen, überreichen „Politikflüsterern“ eintreten wird. Wir sind selber schuld, wenn wir uns von diesen Mächtigen über die geschwätzigen, volksverdummenden Medien und der arbeitsalternativen, staatsabhängigmachenden „sozialen Hängematte“ einlullen, dabei völlig verblöden und bevormunden lassen. Diejenigen, die des Denkens noch fähig sind und Schlüsse aus der gegenwärtigen Politik ziehen können, machen sich bitte darüber ihre eigenen Gedanken. (Smiley: „entwaffnendes Lächeln“)

 

Es ist halt immer noch einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen und als Argument anzuführen: „Solange die anderen sich nicht ändern, brauche ich selbst auch nichts tun!“ Dabei zeigen aber drei Finger auf denjenigen zurück, der solche banalen, verständnislosen Erklärungen hervorbringt. Genau diese Schlagworte zeugen davon, dass hier kaum noch eine allgemeine Bildung und selbständiges Denken vorhanden ist.

 

Aber wir, Du und ich, die noch ein wenig mit unseren kleinen grauen Zellen hantieren können und nicht so viel Vorgekautes aus dem Internet blind rezitieren, können trotzdem etwas für unsere Umwelt und zum Naturschutz beitragen und das eigentlich sofort, sogar noch heute damit beginnen! Wenn wir uns selbst umwelt- und naturbewusst benehmen, haben wir mehr zum Erhalt von Fauna und Flora beigetragen, als all die großen aber sinnentleerten Phrasen, die man überall lesen kann und die nicht nur allein aus Bequemlichkeit sondern auch aus Unvermögen und Dummheit propagiert werden. Es geht in meinen Augen nicht um das „Man sollte, man müsste, man könnte ...“, sondern um das „Ich werde, ich tue, ich habe bereits angefangen!“ Was ist daran so kompliziert, draußen in der Natur keine oder maximal nur kleine Spuren zu hinterlassen? Man kann auch mit nur winzigen Schritten beginnen!

 

Würden alle, die „outdoor“ leben, nur ein Mindestmaß an Naturverständnis und natürlichen, gesunden Menschenverstand aufbringen, insbesondere auch diejenigen, die an Land, in der Luft und für mich Seekajaker insbesondere auf dem Wasser motorisiert unterwegs sind, dann müsste ich nicht erst durch eine Oberflächenversiegelung von angeschwemmten Plastikflaschen an einen Strand im Golf von Volos paddeln, nicht aufpassen, am Ufer von paradiesischen Buchten in Ölkuchen der Frachtflotte und in abgelassenes Motorenöl von Sportbooten zu steigen, mir nicht zwischen den übergroßen Brandflecken der Lagerfeuer, die nicht zum Überleben dienen, aber für die Seele, Romantik, Abenteuerträumereien (!), auf den Übernachtungsorten in der Tundra ein Plätzchen für mein Lager suchen und die in den Sträuchern wehenden Gebetsfahnen aus gebrauchtem Toilettenpapier an den Rastplätzen und an den Wanderwegen ansehen, geschweige den Müll, der sonst noch überall in der Geographie herumliegt.

 

Ich möchte mit einem „markigen“ Zitat, stellvertretend die Meinung einiger Kritiker widerspiegelnd, dieses Thema abschließen: (Zitatanfang) Bei „LNT“ wird allerdings der zweite vor dem ersten Schritt gemacht. Sprich man müsste erst die ganzen Umweltsäue, Lagerplatz-Vermüller usw. bekehren, aufklären, bekämpfen ... ehe man über diverse LNT-Techniken philosophiert. (Zitatende) - Dazu meinen Vers d'rauf: „Gut gebrüllt Ihr Löwen! Nur wer ist „man“? Ihr, Du, ich oder aus Bequemlichkeit und Faulheit doch nur die anderen? Wer beginnt mit dem Bekehren, Aufklären, Bekämpfen ...? Ist „Vorbild sein“ und „Leave No Trace bereits jetzt schon praktizieren, ohne ausgefeilte Techniken, jeder nach seinem Gusto und bescheidenen Möglichkeiten - also den zweiten Schritt vor dem ersten zu setzen - nicht doch besser, vernünftiger, logischer, wirksamer, als die Hände ungenutzt in den Schoß zu legen, geduldig, gedanken- und arbeitsträge zu warten, bis die Zeit dafür reif ist und erst dann, in irgend einer fernen Zukunft, langsam zu beginnen, über „LNT“ zu diskutieren, wenn sich die „anderen Bösen umgestellt haben?“

 

Wenn es einmal mehr Vorbilder gibt, die „LNT“ permanent anwenden, werden vielleicht auch die noch restlichen „Umweltsäue“, „Lagerplatz-Vermüller“ usw. bekehrt ... zwangsweise, weil sie dann zu einer Minderheit schrumpfen. Seit meiner Kindheit versuche ich in der Natur keine oder nur kleine Spuren zu hinterlassen, weil es mir in der Familie, Schule/Internat, Jugendgruppe und auch beim Wehrdienst so beigebracht worden ist. Es ist erstaunlich, wie schnell frühere gut funktionierende Gesellschaftsnormen innerhalb von ein, zwei Generationen verfallen, Umwelt-/Naturverständnis, Basiswissen und allgemeine Bildung verkommen, wenn die verantwortlichen Eltern oft selber kenntnisarm und in der Erziehung ihrer Kinder untalentiert sind, staatliches Bildungssystem und öffentliche Jugendbetreuung aber versagen, und insbesondere der Wehrdienst abgeschafft worden ist, früher meist die einzige Option, Sozialverhalten und Teamgeist in einer Gruppe, Survival und das „artgerechte“ Verhalten in der Natur zu erlernen und das in einem Crashkurs, von dem Bushcraft-Ausbilder aber noch meilenweit entfernt sind. (Smiley: „Zwinkern“)

 

So, jetzt könnt Ihr meine persönliche Meinung in alle Einzelteile zerlegen und kritisieren. Aber bitte, vor dem „Losdonnern“, mein Geschreibsel erst ganz lesen, versuchen, den Zusammenhang zu verstehen, nachdenken und nicht nur, wie bereits gehabt, einzelne Passagen herauspicken und diese dann, ohne auf das eigentliche Thema einzugehen, im „OT“ zu kommentieren. Das hilft dem Naturschutz ebenso wenig wie unserer Outdoor-Idee, nicht einmal dem Kritiker selbst. Aber muss ich das einem wirklich engagierten Outdoor-Freak extra erklären, der nicht nur egoistisch auf sich und seinen eigenen Vorteil schaut (Scheinbar die gängige Norm der heutigen Zeit, die Ellbogen auszufahren, als sie eingeklappt zu lassen!), sondern in seine Verantwortung auch den Mitbürger, seine Kinder und Enkel mit einbezieht? (Smiley: „schuldloses Lächeln“)

 

 

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