KP-08 - Meine Meinung zur Ladung auf dem Deck eines Seekajaks

 

verfasst 2012 - geändert am 30.03.2012

 

Ein Forumsmitglied der Outdoorseiten hatte mich gebeten, etwas über meine Erfahrungen mit den Prijon-Decknetzen zu schreiben, wofür ich diese nutzte, wie die Haltbarkeit ist und wodurch ich sie erneuere.

 

Ihm ließ ich folgende Antwort zukommen:

 

... auf Deinen Post habe ich deshalb nicht geantwortet, weil ich mit Gepäck in Decknetzen kaum Erfahrung habe. Ich kann deshalb nur meine Meinung wiedergeben.

 

Seit ich bei meiner allerersten Seekajak-Fahrt im Jahre 2002 bereits am ersten Tag die im Gepäcknetz verstaute Sonnenbrille durch eine überkommende Welle verloren hatte, vertraue ich keine wertvollen Gegenstände mehr dem Netz an. Lediglich ein manchmal gefundenes Seil bewahrte ich dort auf. Ich habe das irgendwo im Thread schon einmal ausgeführt - müsste ich noch einmal heraussuchen.

 

Durch den Nichtgebrauch ist das Netz kaum ausgeleiert. Der Spanngummi rundum war etwas lahm geworden: Die Gummistränge waren an der Verbindungsklammer herausgerutscht und es hatte nur noch die Gewebe-Ummantlung alles zusammengehalten. Ich habe ihn einfach gekürzt, die Klammer herausgeschnitten und mit einem ordinären Sackstich zusammengebunden. Eleganter wäre natürlich ein Spierenstich gewesen. Es sind halt die einfachen uralten Methoden immer noch die bewährtesten.

 

Aus Prinzip verstaue ich grundsätzlich nichts auf Deck. Ich versuche alles in die Sitz- und Stau-Luken zu packen. Die Gründe habe ich ausführlich in den entsprechenden Beiträgen genannt. Bitte schlag einfach im Inhaltsverzeichnis des Praxisteils unter „Ausrüstung“ nach.

 

Nur letztes Jahr als meine Paddelpartnerin und ich uns für die Kornaten-Tour, die einige Tage ohne Einkaufsmöglichkeiten dauern sollte, in Sali verproviantiert hatten, verstauten wir beide aus Bequemlichkeit vorne die 1,5-Liter-Wasserflaschen in Zweierreihen im Gepäcknetz und sind am späten Nachmittag bei ruhigem Wasser gemütlich die 11 Kilometer zu unserem Lagerplatz gepaddelt, um am nächsten Tag in die Kornaten einzufahren. Für diesen Trip hätten wir dann allerdings die Wasserflaschen in die Kajaks gepackt. Die vorne oben auf dem Boot im Netz liegenden Flaschen sahen schon recht urig aus. Das Netz alleine hätte nicht ausgereicht, die schweren Flaschen zu halten. Wir hatten dann zusätzlich die einzelnen Lagen rund um das Netz mit Schnüren gesichert, so dass sie sich nicht mehr verschieben ließen. - Bei stiller See war das Paddeln kein Problem und behinderte keineswegs. Das war auch der Grund, warum wir den „Ontop-Transport“ gewählt hatten. Bei rauem Wasser hätten wir aber auf alle Fälle die Flaschen in den Booten untergebracht. Wir wollten aber in der Ortschaft nicht vor aller Leute Augen unser ganzes Gepäck ausräumen und die Kajaks neu beladen.

 

Fazit:

 

Selbst bei meinen Langtouren bringe ich alle Ausrüstungsgegenstände, sogar das Ersatzpaddel (das alte teilbare Holzpaddel habe ich in der Länge der Sitzluke angepasst), im Kajak unter, so dass ich eigentlich auf die Decknetze verzichten könnte. Allerdings spare ich im warmen Süden an der speziellen erforderlichen Ausrüstung für die nordischen Gewässer, wie Neopren-, Trocken-Anzug und die entsprechende warme Kleidung. Mein Kodiak ist natürlich auch ein wahres Container-Schiff! Trotzdem kann ich behaupten, einen schnellen Kajak zu besitzen und er läuft vollbeladen stur geradeaus.

 

Entgegen der weitverbreiteten Meinung vieler „erfahrener“ Seekajaker halte ich den Kodiak trotzdem für einen sehr geeigneten Seekajak! Rund 10.000 km auf dem Meer sind für mich Erkenntnis genug, um das Boot entsprechend beurteilen zu können. Mit welchen praktischen Langzeit-Erfahrungen können da in Wirklichkeit seine Kritiker aufwarten? In mir keimt da eher der Verdacht, dass es sich dabei mehr um reproduzierte Meinungsäußerungen handelt, als um tatsächlich eigene Bewertungen aus der Fahrtenpraxis. Es folgt jetzt sicherheitshalber ein Smiley mit dem Zwinkern!

 

T-Shirt, Badehose, Schirmkappe und Handschuhe beim Paddeln, zusätzliches T-Shirt, Shorts und Sandalen als „Ausgeh-Uniform“ reichen als Minimalausrüstung südlich des 45sten Breitengrades (Po-Delta) völlig aus. Alternativ kann ich dann mehr Verpflegung und Trinkwasser laden, um länger autark leben zu können.

 

Wenn ich etwas an Deck transportieren müsste, könnte ich es ja auch mit Schnüren/Bändern festbinden (z.B.: einen kleinen wasserdichten Gepäcksack, den Transportkarren usw.). Wenn die Decknetze einmal endgültig ihren Geist aushauchen, werde ich sie entsorgen und an ihrer Stelle an den Netzbefestigungspunkten nur Schnüre oder Bänder anbringen, um dort eventuell Ausrüstungsgegenstände oder eine kleine Verdecktasche befestigen zu können.

Daraufhin teilte mir das Forumsmitglied auch seine Erfahrungen mit. Unter andrem meinte er: „Bei mir sind es v.a. Karte in der Ortliebhülle, GPS in Aquapac und der Lappen, was ich unter das Netz klemme. Die ersten beiden auch angebunden. Bei einer Böe hat es mir die (schlecht befestigte) Ortlieb-Hülle auch mal um die Ohren geschleudert, die Schnur verhedderte sich im Paddel und es hätte nicht viel gefehlt... - Jedenfalls hast Du meinen offensichtlichen Verdacht bestätigt : Je weniger man das Netz benutzt, desto länger hält es.

 

Diese genaue Beobachtung nahm ich zum Anlass, noch einmal darauf einzugehen:

 

... wir beide senden und empfangen scheinbar auf sehr ähnlichen Frequenzen. Durch Deine Bemerkung mit der um die Ohren fliegende Kartenhülle, hast Du ebenfalls meinen Entschluss gestärkt, so wenig wie nur irgendwie möglich an Deck zu lassen. Deshalb ist mein Decknetz auch nach fast 10 Jahren noch recht gut in Schuss - wie Du auch schreibst: „Je weniger man das Netz benutzt, desto länger hält es.“

 

Natürlich gibt es individuelle persönliche Meinungen beim Fahrten-Paddeln, was man alles während der Tour an Deck verwende möchte. Du hast selbst erwähnt, dass es wichtig ist, die teuren Ausrüstungsgegenstände zusätzlich durch eine Leine zu sichern und nicht nur auf das Deck-Netz zu vertrauen. Das gilt insbesondere für das nautische Equipment, wie Karten in wasserfesten Hüllen und GPS im Aquapac.

 

Da habe ich es im sonnigen Süden etwas leichter, weil ich meist während der Tagestour ohne Karte auskomme. Die relativ einfache Etappe entlang einer Küste präge ich mir im Lager am Nachmittag zuvor genau ein und ermittle bei Inselsprüngen den magnetischen Kurs und stelle ihn sofort am Kompass ein. Das eine Mal am Tag, meist beim Landfall, wenn ich die Karte (sie steckt ebenfalls in einer wasserdichten Kartenhülle) benötige, ist sie schnell aus den Tiefen der Sitzluke hervorgeholt.

 

Den genauesten Kurs erhält man, wenn man Sicht auf das Ziel hat und die Richtung durch direkte Kompasspeilung am Kajak selbst ermitteln und einstellen kann. Darin sind dann die Missweisung ein- und alle anderen kleinen Unzulänglichkeiten wie Rechen- und Übertragungsfehler ausgeschlossen! (lächelnder Smiley). Bei den relativ hohen Inseln in der Ägäis ist das ein großer Vorteil, weil man bei guter Sicht, die Eilande extrem weit sehen kann, manchmal 30 bis 40 Kilometer weit (Tagesetappe bei Überfahrten), auch wenn die Ufer hinter dem Horizont verschwunden sind. Ist der Kurs dann genau eingestellt, kann es am Morgen bei der Abfahrt ruhig diesig sein, weil man dann absolut sicher ist, richtig zu steuern. Für mich ist die direkte Peilung die effektivste, sicherste und einfachste Methode, einen Kurs zu bestimmen.

 

In dem Inselgewirr der Schären geht das allerdings nicht! Da sind genaue Karten, besser noch zusätzlich ein GPS (das aber nur als Hilfsmittel, der Bequemlichkeit halber!), unbedingt erforderlich. Die unzähligen kleinen Felsen und Inseln kann man sich auf einer Tagesetappe nicht einprägen und merken! Das ist schier unmöglich.

 

Ich predige deshalb unaufhörlich: „Wer sich mit Karte und Kompass auskennt, der weiß auch, welche gewaltigen Macken ein GPS-Gerät schon bei der simpelsten Navigation hat!“ Ich erinnere da nur an die „Hundekurve“ beim Inselsprung, wenn Wind, Wellen und Strömungen auf den Kurs einwirken und man im schlimmsten Fall (Abdrift ist größer als die maximale Paddelgeschwindigkeit), trotz oder besser „wegen“ GPS, die Insel niemals mehr erreichen kann.

 

(Ironie an) Da freuen sich aber die Seenotrettungsdienste, wenn sie wieder einmal eine rote Leuchtrakete am Horizont erkennen oder einen Handyanruf von einem selbsternannten Seekajak-Spezialisten erhalten. Der ist top ausgerüstet (aber ohne das erforderliche Hintergrundwissen und die nötige persönliche Erfahrung, ein wahrer „Internet-Profi“ halt) und hat sich natürlich vollkommen auf sein modernes GPS-Gerät verlassen und lässt sich nun von den echten Spezialisten der Seefahrt gemütlich heimschippern. Na, hoffentlich knöpfen die ihm dann auch die horrenden Kosten im fünfstelligen Eurobereich für den Rettungseinsatz als „Taxi-Gebühr“ ab, die durch Leichtsinn, Pseudowissen, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung entstanden sind! (Ironie aus)

 

 

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