KF-13 - Dalmatinische Inseln 2013 - Was kommt denn da auf uns zu?

 

verfasst 2013 - geändert am 16.06.2013

 

Als wir am Morgen vom Strand am Kap Starica auf der Südküste der Insel Veli Drvenik, aufbrechen wollten und gerade unsere Ausrüstung in die Kajaks verstauten, beobachten wir etwas äußerst Seltsames, ja Bedrohliches sogar! Es erschien unvermittelt neben einem Felsen im Meer, tauchte direkt aus dem Wasser auf und kam auf uns zu, halb schwimmend, halb krabbelnd. Suomalee, vom Ungewöhnlichen nicht so schnell einzuschüchtern, zückte sofort ihren Photoapparat, um dieses Phänomen im Bild festzuhalten.

 

 

Bild 1: Unheimlich sah dieses bizarre Wunderwerk der Natur aus, als es zwischen den Felsen plötzlich auftauchte und genau auf uns zuschwamm. Dabei bewegten sich seine grazilen „Spinnenbeine“ wie bei einem Wasserläufer. Es könnten auch feingliederige Tentakeln gewesen sein. Der Körper, er erinnert an das Hinterteil eines Insekts, eines Käfers, prustete sich auf, hob sich mit seinen vielen Füßen aus dem Wasser empor und versank im nächsten Moment wieder bis zum aufgerissenen gierigen Maul mit lechzender Zunge. Wir betrachteten diese Rarität fasziniert. - War diese Geschöpf eine Kreuzung aus einer Riesenkrabbe, einem Käfer und einer Wasserspinne? Hat da vielleicht auch ein Oktopus mitgewirkt? Wir waren beeindruckt von diesem Ungetüm, das immerhin rund 60 cm maß. Uns befiel auch ein wenig Unruhe, weil wir nicht genau wussten, wie sich das völlig unbekannte Wesen uns gegenüber verhalten wird und wir hielten respekvoll Abstand von ihm.

 

 

Bild 2: Dieses ungeheuerliche Individuum war keine richtige Kreatur des Meeres, was da im Gegenlicht an diesem Morgen so schimmerte - nein, dieser Vielfüßler mit dem massigen Leib bemächtigte sich sogar eines größeren Steins direkt am Ufer und hob den Kopf, schien das Umfeld zu beäugen, zu horchen und zu riechen! Gleichzeitig tastete er mit seinen unzähligen Beinen oder waren es auch gleichzeitig Fühler, den Stein und den Kies darunter ab. Ein Getier, das scheinbar zugleich im Meer und auf dem Land leben konnte. Uns kam es vor wie ein gen-manipuliertes Rieseninsekt oder wie ein lebendes Relikt aus der Evolution, das den Übergang vom Meerestier zum Landlebewesen markierte, wie der Quastenflosser.

 

 

Bild 3: Hier krabbelte das Monster, wir tauften das Ungetüm schlicht „Seewanzen-Mutant“, wie in einem Horrorfilm, gerade auf den Stein ...

 

 

Bild 4: ... und es hatte ihn kurz darauf erklommen. Wir konnten nicht genau feststellen, ob es nur die Umgebung beobachtete, sich orientierte oder uns bereits als Feind ausgemacht hatte, und sich auf Angriff oder Verteidigung vorbereitete. Dieses Wesen wurde uns immer unheimlicher!

 

Weil wir nicht in der Lage waren, zu erfassen, ob es sich bei diesem Gebilde um eine launenhafte Kreation aus der Asservatenkammer des Gottes Zeus handelte, oder ob es doch aus den dunklen Tiefen des Hades aufgestiegen war, machten wir uns schleunigst auf den Weg, stiegen in unsere Boote und eilten von dannen ...

 

Nie mehr haben wir auf unserer Seekajak-Tour so etwas Eigenartiges gesehen.

 

Während wir nebeneinander wortkarg das Wasser rührten, dachte ich dabei an unsere Ahnen, die in den ziehenden Wolken die Kriegerschar Odins, an die seefahrenden Wikinger, die darin Thors wilde Gesellen sahen, an unsere Vorfahren, die in dem Gesang des Windes Sphärenklänge erahnten und am Abend im Lufthauch wehende Bastfäden, herabhängende Spinnweben, schaukelnde Zweige als Feen und Nornen deuteten, dann im Widerschein des Mondes einige Bäume, Baumgruppen, Felsen und Steinformationen als Riesen, Ungetüme und Monster wahrnahmen und in abgebrochenen Stämmen, Ästen, und faulenden Baumkrüppeln manchmal Trolle und Zwerge erkannten. Ich erinnerte mich an das alte Seemannsgarn der Matrosen, das sie von ihren Entdeckungsreisen mitgebracht hatten, in dem sie bizarres Treibgut und unbekannte Lebewesen als wahre Meeresungeheuer identifizierten und schmunzelte zu guter Letzt über unsere ach so moderne Gesellschaft, der man jegliches Unnatürliche, noch nicht Vorstellbare als Alien und Außerirdisches aus einer anderen Galaxie suggerieren und den Gläubigen dann jede noch so simple Esoterik andrehen konnte - gegen entsprechendes Entgelt natürlich.

 

Die gesamte Mythologie der Welt schien in diesem Augenblick in meinen Gedanken zu hängen, und die Märchen Hermann Hesses, die wir auf unserer Reise gelesen hatten, erwachten wieder in mir. Ich glaube, Suomalee fühlte ähnlich wie ich, nachdem wir dieses abnorme Gebilde wahrgenommen hatten. - Es ist sehr gut, dass wir in dieser abgestumpften, gierigen Welt auch noch heute der Phantasie freien Lauf lassen ... dabei aber das Jetzt nicht verkennen. Auch diese kleine Anekdote, ein Märchen eben, wie Suomalees „Geschichte vom Wellenkamm“, soll davon zeugen, dass man mit der eigenen Phantasie noch immer imstande ist, ohne den Konsum des Primitiv-Fernsehens der Privatsender auszukommen. Dabei handle ich lieber nach dem Motto: Was die Privaten uns an Qualität vorsetzen, erreicht man auch ohne einen höheren Schulabschluss ... und das sogar ohne Werbeeinblendungen. (Smiley: „Zwinkern“)

 

Meine pesönliche Meinung, die nicht in den Outdoorseiten steht: 

 

Wer also sein eigenes „Kopfkino“ bevorzugt und so mutig ist, auf einen Fernsehapparat zu verzichten, wie Suomalee und ich, ist zumindest von dieser Seite her manipulationsresident und widersetzt sich der Volksverdummung und der von den Mächtigen angestrebten Zweiklassengesellschaft amerikanischen Stils - der kleinen Schar der Elite und der breiten Masse des unterdrückten, „geführten“ Volkes (Brot und Spiele!), die wieder in der Gesellschaftsform des Mittelalters endet. Man muss sich nur in seiner nächsten Umgebung umschauen, um das zu erkennen!

 

PS: Natürlich löste sich das Rätsel dieses Mysteriums aus profaner Sicht auch relativ schnell auf und die Wirklichkeit holte uns wieder ein. Bei diesem Kuriosum hatte es sich um ein Laubblatt einer Agave gehandelt, bei dem sich die oberen, weichen Bestandteile bereits zersetzt hatten und nur mehr die verholzten Blattrippen (als Beine, Fühler, Tentakeln usw.) übrig geblieben waren und die abgebrochene Spitze fast so aussah wie ein Maul mit heraushängender Zunge. Ich hatte das ausgedörrte Agavenblatt kurz zuvor ins Wasser geworfen, weil es mir beim Handtieren im Weg war und die Wellen schwemmten es wieder an den Strand, gerade als wir darangingen, unser Lager abzubrechen. Durch die schaukelnden Bewegung in den Wasserwellen hatte es tatsächlich so ausgesehen, als ob es sich um ein unbekanntes Lebewesen handelte.

 

 

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